NDV: Zwei neue Männer, zwei signifikante Beschlüsse
Delegiertenversammlung des NDV 22.-23.4.2012 in Geseke
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("Adventisten heute"-Aktuell, 27.4.2012) Nach fünf Jahren endet in Deutschland die "Laufzeit" einer Verbands-Tätigkeitsperiode. Das bedeutet, dass die Vertreter der Vereinigungen im Rahmen einer "Delegiertenversammlung" den Rechenschaftsbericht entgegennehmen, das bisherige Leitungsteam entlasten, beglaubigen und für die nächste Konferenzperiode neu- bzw. wiederwählen. Außerdem werden Anträge behandelt und Arbeitspläne verabschiedet. Diese Delegiertenversammlung findet 2012 sowohl im Nord- als auch im Süddeutschen Verband der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten statt, und zwar im Abstand von zwei Wochen, beginnend beim Norddeutschen Verband (NDV). Kein Überraschungseffekt mehr bei den Wahlen Ein neuer Präsident (Vorsteher) Johannes Naether (51) ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder (zwischen 20 und 24). Der gebürtige Kölner studierte zunächst Geschichte und Englisch in Köln und bereitete sich danach am damaligen adventistischen Theologischen Seminar Marienhöhe, Darmstadt, auf seinen Pastorendienst vor. Als Pastor wirkte er 14 Jahre in Hannover, Gifhorn und Braunschweig. Seit 2001 war er Vorsteher der Freikirche in Niedersachsen/Bremen. Er ist ein begeisterter Sportler (Laufen, Radfahren, Bergsteigen). Pastor Klaus van Treeck (59) stand seit 2004 dem NDV vor. Er stellte sich den Delegierten nicht zur Wiederwahl, da er "die nächsten sechs Jahre seines Berufslebens mit neuen Herausforderungen füllen" wolle. Er wird in Zukunft das von ihm gegründete Institut für Weiterbildung (IfW) sowie das Institut Christliche Dienste (ICD) leiten. (Der bisherige Leiter der Institute, Dr. Roland E. Fischer, ist inzwischen als Dozent für Pastoraltheologie an der adventistischen Theologische Hochschule Friedensau bei Magdeburg tätig.) Ein neuer "Jugendmann" Das Team ist nun vollständig Als weitere Abteilungsleiter wurden wiedergewählt: Annekatrin Blum (Abteilung Frauen), Pastor Karl-Heinz Walter (Kommunikation) und Pastor Wilfried Schulz (Missionarischer Gemeindeaufbau). Gewählt wurde außerdem der aus 31 Personen bestehende Verbandsausschuss als oberstes Gremium zwischen den alle fünf Jahre stattfindenden Delegiertenversammlungen. Interessante Fragen zum Konferenzbericht Zeitersparnis dank Televoting Die "Probeübungen" zu Beginn brachten folgende interessante Ergebnisse bezüglich der Zusammensetzung der Delegierte zum Vorschein: 81 Prozent der Delegierte sind männlich, 19 Prozent weiblich gewesen. Die Altersaufteilung sah so aus: bis 21 Jahre alt: 1 Prozent; zwischen 22 und 35 Jahre alt: 16 Prozent; zwischen 36 und 60 Jahre alt: 63 Prozent; über 60 Jahre alt: 19 Prozent. 20 Jahre NDV "Eigentlich hätte Ost und West sagen müssen: Leute, wir passen nicht zusammen. Aber neben vielen gravierenden Unterschieden war der unbedingte Wille zu einem neuen, geschwisterlichen Miteinander", sagte Reinhard Rupp, der erste Vorsteher des NDV, wehmütig in seinem Rückblick, und fügte hinzu: "Dabei war der NDV das Letzte, was sich die gewünscht haben, die damals dabei gewesen sind. Der NDV wurde als Zwischenschritt zur vollen Einheit unserer Freikirche in Deutschland verstanden - dabei ist es bis heute geblieben." Bei der Gründung des NDV hätten die Beteiligten gelernt: Was uns eint, ist weit größer als das, was uns trennt. Außerdem hätten sie erkannt: "Wichtiger als eine gemeinsame Struktur ist der Wille zur inneren Einheit - sie ist durch Strukturreformen nicht zu ersetzen." Einiges zu lachen gab es bei der Sammlung an Anekdoten und Protokoll-Ausschnitten, die Walter Eberhardt vortrug, sowie beim Auftritt von Werner Jelinek als Gärtner, der Feingeistiges aus der Arbeit und Zusammenarbeit im Weinberg des Herrn zum Besten gab. "Einheit beginnt im Herzen" (Günther Machel) Zum Schluss betonte er die Wichtigkeit der "Kommunikationssysteme" - nach oben (Gott) und untereinander: "Wenn unser geistliches Funksystem ausfällt, verlieren wir die Orientierung und beginnen, uns gegenseitig zu bekämpfen." Zwei heiße Eisen angefasst Die Auseinandersetzung um die Ordination von Frauen zum Pastorenamt wird auf oberster Ebene (Generalkonferenz-Vollversammlungen) seit den 1980er Jahren geführt. Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorin "gesegnet" werden und damit fast alle Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vornehmen; doch ordiniert werden nur männliche Geistliche. Damit ist Pastorinnen auch das Amt des Vorstehers und des Sekretärs einer Vereinigung bzw. eines Verbandes verwehrt, das eine Ordination erfordert. Während die Ordination von Pastoren weltweit innerhalb der Kirche Gültigkeit hat, können Frauen als Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung praktiziert. Die Weltsynoden der Adventisten 1990 in Indianapolis/USA und 1995 in Utrecht/Niederlande hatten die Ordination von weiblichen Geistlichen mehrheitlich abgelehnt. Die Zulassung von Frauen, die als ordinierte Pastorinnen amtieren, ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit rund 17 Millionen erwachsen getauften Mitglieder leben, äußerst umstritten. Keine Benachteiligung mehr aufgrund des Geschlechts Die dafür stimmten, wissen sehr wohl um diese Diskrepanz, möchten dennoch mit ihrem Votum signalisieren, dass sie des Wartens müde sind, und hoffen, damit einen Beitrag dafür geleistet zu haben, dass 2015 in St. Antonio (USA) endlich eine regional unterschiedliche Regelung zugelassen wird. In diesem Denken fühlen sie sich vereint mit der Trans-Europäischen Division und mit verschiedenen Unionen und Vereinigungen in den USA, die ähnliche Beschlüsse gefasst haben - nicht um die Generalkonferenz zu brüskieren, sondern um einen ihrer Einschätzung nach unbiblischen und diskriminierenden Zustand zu beenden. Es seien letztlich keine theologischen Argumente, die dagegen sprechen, sondern nur kulturelle. Die letzte Unterstützung für dieses Vorangehen lieferte der ehemalige Präsident der Weltkirchenleitung, Dr. Jan Paulsen, in seiner Ansprache anlässlich der Frühjahrssitzung der Generalkonferenz am 17. April 2012, die bei ANN sowohl im vollen Wortlaut als auch in Videoform abrufbar ist. Paulsen wies u. a. darauf hin, dass unser Verständnis von Ordination weder römisch-katholisch noch priesterbezogen sei. Das war auch ein Punkt in der Diskussion in Geseke: Mehrere Delegierte gaben die Empfehlung, das adventistische Ordinationsverständnis mit der "segnenden Beauftragung für besondere Dienste" im Neuen Testament zu vergleichen. Letztlich wurde auch beschlossen, dass der NDV in Zusammenarbeit mit der Theologischen Hochschule Friedensau eine Übersicht der adventistischen Forschung der letzten Zeit bezüglich der Ordination von Frauen liefert, denn alles, was dazu zu sagen wäre, sei bereits auf tausenden von Seiten (in englischer Sprache) veröffentlicht worden. Hochzeit in Sicht? In einer Woche (am 6. Mai) werden die Delegierte des SDV zusammenkommen. Das Thema Reorganisation der Freikirche in Deutschland steht nicht auf der Agenda. Noch nicht, denn als Eilantrag kann er aufgrund des deutlichen Werbens des NDV zum Gesprächsgegenstand werden. Die Unterstützung von zwei Vereinigungen wurde signalisiert, wenn auch die Leitung des SDV dieses Anliegen unterstützt, dann dürfen wir alle auf die Delegiertenversammlung am 6. Mai gespannt sein. Schade, dass man für diese Tagung nur einen Tag anberaumt hat! Aber es genügt auch nur ein JA zur Verlobung, es geht noch nicht um die Hochzeit. (Elí Diez-Prida)
zzz Bildergalerie (Fotos: edp) |
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