Ägypten: Christen haben Hoffnung auf bessere Zukunft

Anba Damian

Bischof Anba Damian (*1955 in Kairo), Generalbischof der koptisch-orthodoxen Kirche in Deutschland, freut sich darüber, dass die lange, dunkle Nacht der Herrschaft durch Mursi und die Muslimbrüder zu Ende gegangen sei. (Foto: Cwindusks; Lizenz: CC BY 3.0)

("Adventisten heute"-Aktuell, 5.7.2013) Den Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi beurteilen christliche Repräsentanten und Menschenrechtler weitgehend positiv. Das Militär hatte den Politiker - er war als Kandidat der islamistischen Muslimbrüder in das Amt gewählt worden - am 3. Juli abgesetzt und den Präsidenten des Verfassungsgerichts, Adli Mansur, zum Übergangspräsidenten ernannt. Bis zu Neuwahlen soll eine Expertenregierung das nordafrikanische Land führen. Ein Versöhnungskomitee mit Vertretern aller gesellschaftlichen Kräfte soll die nächsten Schritte vorbereiten. Ihm gehören der Friedensnobelpreisträger Mohammed El Baradei, der Großscheich der Al-Azhar-Universität, Ahmed al-Tajjib, sowie der koptisch-orthodoxe Papst Tawadros II. an. Unterdessen rief Mursi seine Anhänger auf, friedlich gegen den "Putsch" der Armee aufzubegehren.

Muslimbrüder ohne Lösungen für große Probleme
Nach Ansicht der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt am Main besteht jetzt die Hoffnung auf einen echten demokratischen Wandel. Mursi habe bei den Präsidentschaftswahlen im Juni 2012 zwar die Mehrheit erhalten, dann aber seine Macht missbraucht, um Islamisten an den Schaltstellen des Staates unterzubringen. Trotz massiver finanzieller Unterstützung aus arabischen Ländern hätten die Muslimbrüder keine Lösungen für die großen Probleme des Landes gefunden: enorme Überbevölkerung, desolate wirtschaftliche Lage, nicht funktionierende staatliche Strukturen, Analphabetismus und das praktisch völlige Fehlen von Rechtssicherheit. Die Menschenrechtsorganisation appelliert an die Bundesregierung und an die Europäische Union, der neuen ägyptischen Übergangsregierung Hilfe anzubieten. Die strukturellen Probleme des Landes seien so gewaltig, dass auch eine demokratische, liberale Regierung ohne nachhaltige Hilfe von außen scheitern werde.

Bischof: Ende einer "langen, dunklen Nacht"
Der Bischof der koptisch-orthodoxen Christen in Deutschland, Anba Damian (Höxter), sagte der Evangelischen Nachrichtenagentur idea, dass mit dem Eingreifen des Militärs eine "lange, dunkle Nacht der Herrschaft durch Mursi und die Muslimbrüder zu Ende gegangen" sei. Im vergangenen Jahr habe sich die Situation von Wirtschaft, Bildung und Religionsfreiheit stark verschlechtert. Es habe sich gezeigt, dass eine radikale, islamistische Haltung nicht mit den Menschenrechten zu vereinbaren sei. Die westliche Welt habe erkennen müssen, dass Muslimbrüder und Salafisten niemals fähig seien, eine moderne Gesellschaft zu führen. Zur Beteiligung der koptischen Kirche am Versöhnungskomitee sagte Damian, dass die Christen als ein entscheidender Teil der ägyptischen Gesellschaft angesehen würden. "Wir sind die Urbewohner des Landes, und es kann keine Entscheidungen geben, ohne dass man die Kopten mit einbezieht", so Damian.

Ägypten bleibt ein islamisches Land
Auch der Leiter des ägyptischen Zweiges der Evangeliumsgemeinschaft Mittlerer Osten (EMO), Gerald Lauche (Kairo), sieht die Entwicklung "verhalten optimistisch". Wenn es gelinge, alle gesellschaftlichen Gruppen zusammenzuführen, sei ein Neuanfang möglich, sagte Lauche gegenüber idea. Allerdings bleibe Ägypten ein islamisches Land, dessen Rechtsprechung auch auf dem islamischen Recht, der Scharia, beruhe. Christen bleibe weiterhin der Zugang zu Spitzenämtern in Politik, Verwaltung und Armee verwehrt. Öffentliche Werbung für den christlichen Glauben werde auch in Zukunft nicht möglich sein. Wünschenswert wäre, dass Arbeitsplätze künftig aufgrund von Kompetenz anstatt nach Religionszugehörigkeit vergeben werden und dass der Bau von Kirchen erleichtert werde.

Mißfelder: Mursi war ein radikaler Antisemit
In einem Interview mit dem Deutschlandfunk begrüßte der CDU-Außenpolitiker Philipp Mißfelder die Absetzung Mursis. Er habe Mursi von Anfang an als eine Gefahr für die Region gesehen und nie das Gefühl gehabt, dass er Ägypten wirklich in eine demokratische Richtung führen wolle. Mursi sei ein radikaler, gefährlicher Antisemit, der vorsätzlich Hetze gegen Israel betreibe.

In Ägypten bilden die schätzungsweise bis zu zehn Millionen Kopten die größte Kirche. Hinzu kommen etwa 200.000 Katholiken, 40.000 Griechisch-Orthodoxe und 30.000 Protestanten. Die übrigen der rund 83 Millionen Einwohner sind Muslime. (idea)




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