Pro & Kontra: Müssen Mitarbeiter Mitglied der Kirche sein?

Kirchenzugehörigkeit ein Muss?

Mitgliedschaft in einer Kirche garantiert noch kein im Leben verortetes Christentum, so ein Kontra-Argument. (Foto: Brigitte Kreuzwirth/ pixelio.de)

(Adventisten heute-Aktuell, 19.05.2017) Auch Nichtchristen dürfen ab 1. Juli in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und ihrer Diakonie unter bestimmten Bedingungen in einigen Berufen arbeiten. Bislang mussten Beschäftigte Mitglied einer Kirche sein, die der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) angehört. Ist das eine richtige Entscheidung?

PRO
Man möchte meinen, das sollte selbstverständlich sein. Im Kern geht es für mich um die Frage, ob man die Kirche (nur) als Unternehmen und die Diakonie (nur) als Sozialkonzern sieht oder aber als Gemeinschaft der Glaubenden, die aus Wort und Sakrament lebt und das Evangelium von Jesus Christus in Wort und Tat bezeugt. Konkret: 1. Für Krankenpfleger kann es genauso wenig wie für Erzieher genügen, lediglich den kirchlichen Auftrag „zu kennen und zu achten". Sie sollten sich identifizieren können und ihn leben.

Es wäre unanständig, von Nichtchristen ein Tischgebet zu erwarten
Ansonsten ist es unanständig, von ihnen z. B. zu erwarten, ein Tischgebet zu sprechen. 2. Von allen kirchlichen Mitarbeitern wird erwartet, dass sie sich innerhalb und außerhalb ihres Dienstes so verhalten, dass der Glaubwürdigkeit des kirchlichen Auftrags nicht geschadet wird. Das lässt sich keinesfalls auf Nichtchristen anwenden, oder man würde das Evangelium zum Gesetz machen. 3. Wenn von Loyalitätsverpflichtungen gesprochen wird, die schriftlich zu bestätigen sind, dann klingt das sehr nach Unternehmensdenken. Dienst im Geiste Jesu ist aber etwas anderes, als sich eine Firmenphilosophie anzueignen. 4. Ich kritisiere, dass mit der Neuregelung auch Angehörige anderer Religionen kirchliche Mitarbeiter werden können. Die so entstehende Gefahr der Religionsvermischung wird nirgendwo angesprochen und scheint unproblematisch zu sein.
Fazit: Die Liberalisierung gehorcht der Not des Mangels qualifizierter Arbeitskräfte und geht den naheliegenden, aber im Sinn des kirchlichen Auftrags schlechteren Weg, Menschen anzustellen, die mit dem Auftrag nichts am Hut haben. So wird's nicht besser.
(Der Autor, Till Roth, ist Dekan des Evangelisch-Lutherischen Dekanats Lohr am Main und Vorsitzender des Arbeitskreises Bekennender Christen in Bayern.)

KONTRA
Dürfte der Barmherzige Samariter heute bei der Diakonie arbeiten? Zu der Zeit Jesu waren Samariter von der offiziellen Religionspraxis Israels strikt ausgeschlossen. Dass Jesus ausgerechnet einen Samariter zum Vorbild für die Erfüllung des biblischen Gesetzes und der gelebten Nächstenliebe macht, sollte uns nachdenklich stimmen. Mit einem allzu engen Regelwerk verlieren wir, was uns Jesus gelehrt hat: Offenheit für Menschen, die nicht in unsere bestens begründeten Schemata passen, aber auf ihre Weise mitwirken am großen Auftrag. Natürlich braucht eine diakonische Einrichtung eine im christlichen Glauben beheimatete Leitung und viele weitere Mitarbeiter, die christliche Inhalte auch durch Wort und Gebet vermitteln können. Das ist allerdings mit der Mitgliedschaft in einer Kirche leider nicht garantiert. Auch gibt es Menschen, die ihren festen Glauben so unsensibel einbringen, dass sie dem christlichen Profil eher schaden. Mitgliedschaft in einer Kirche ist ein Pluspunkt für die Diakonie, aber kein absolutes Kriterium.

Die muslimische Pflegerin führt zum Gottesdienst
Die Realität in der Diakonie ist bunt. Es gibt den bewussten Christen, der seiner Kirche oder Freikirche aufgrund einer Enttäuschung den Rücken gekehrt hat. Es gibt die engagierte muslimische Pflegerin, die Heimbewohner zum christlichen Gottesdienst in die Hauskapelle bringt,
weil sie Religion wichtig findet. Oder den säkular aufgewachsenen Pflegeschüler, der unbedingt bei der Diakonie bleiben möchte, weil dort ein besonderer Geist weht. Dürfen wir ihnen prinzipiell die Tür verschließen? Kirchenmitgliedschaft soll die Regel bleiben - aber wir brauchen Offenheit für den Einzelfall.
(Der Autor, Pfarrer Michael Bammessel (Nürnberg), ist Präsident des Diakonischen Werkes in Bayern, zu dem rund 3.500 Einrichtungen mit etwa 89.000 Mitarbeitern gehören.)
(idea)




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