Mehrheit der Deutschen für aktive Sterbehilfe, Bischof dagegen

Landesbischof Frank Otfried July

Landesbischof Frank Otfried July unterstützt die Absicht der baden-württembergischen Landesregierung, alle gewerblichen Formen von Sterbehilfe zu verbieten. (Foto: elk-wue)

Die Mehrheit der Deutschen befürwortet aktive Sterbehilfe: 55 Prozent wünschen sich, dass jeder Einzelne entscheiden kann, ob und mit wessen Hilfe er sein Leben beenden möchte. 30 Prozent meinen, dass Sterbehilfe einem Arzt vorbehalten sein sollte. Das ergab eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Emnid im Auftrag des Fernsehsenders N24 (Berlin). Danach finden nur 13 Prozent ein gesetzliches Verbot der aktiven Sterbehilfe gut, wie es derzeit besteht. Eine deutliche Mehrheit ist auch für eine verbindliche Patientenverfügung. 68 Prozent plädieren dafür, dass der Einzelne für Ärzte und Verwandte festlegen kann, wie er ärztlich versorgt werden möchte, wenn er im Krankheitsfall nicht mehr selbst entscheiden kann. 26 Prozent sind der Meinung, dass Arzt und Verwandte die letzte Entscheidung über lebensverlängernde Maßnahmen treffen sollen.

Württemberg: Bischof verurteilt Sterbehilfe durch Kusch
Vor Menschen, "die sich mit selbst gebastelten Tötungsmaschinen und gewerblicher Begleitrhetorik als wahrhafte Menschenfreunde aufspielen", hat der württembergische Landesbischof Frank Otfried July (Stuttgart) gewarnt. Er reagierte damit auf die Aktivitäten des Hamburger Ex-Senators Roger Kusch, der nach eigenen Angaben Ende Juni einer 79-jährigen Rentnerin Sterbehilfe geleistet hat, weil sie angeblich aus Angst vor dem Pflegeheim nicht mehr leben wollte. Dessen Aktion habe "hoffentlich allen die Augen dafür geöffnet, auf welch schiefe Ebene die Diskussionen der letzten Jahre um den begleiteten Selbstmord geführt haben", sagte July am 3. Juli vor der in Stuttgart tagenden Landessynode.

Aus christlicher Sicht seien auch andere Formen einer aktiven Sterbehilfe abzulehnen: "Weil wir glauben, dass unser Leben am Anfang, in der Mitte und am Ende nicht uns, sondern Gott gehört, legen wir es allein in Gottes Hand." Der Bischof rief zur Verbesserung der palliativmedizinischen (schmerzlindernden) Versorgung Schwerkranker und zum Ausbau des Hospizwesens auf. Die Formel "das Sterben nicht verlängern, das Leben nicht verkürzen" sei zwar richtig, aber häufig nicht eindeutig zu lösen. Seelsorger hätten hier die anspruchsvolle Aufgabe, den Sterbenden schützend zur Seite zu stehen.

Auch Adventisten lehnen aktive Sterbehilfe ab
Bereits im Jahr 1992 äußerte sich der Exekutivausschuss der Generalkonferenz der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten anlässlich seiner Jahressitzung am 9. Oktober 1992 in Silver Spring, Maryland, in einer "Konsenserklärung über die Betreuung Sterbender" zu diesem Thema. In der beschlossenen Erklärung heißt es u. a.:

  • Christliche Liebe kann dazu führen, medizinische Maßnahmen zu unterlassen oder abzubrechen, die nur das Leiden vermehren oder das Sterben verlängern. Doch Siebenten-Tags-Adventisten verhelfen nicht zum "Gnadentod" und helfen nicht mit beim Selbstmord. (1. Mose 9,5.6; 2. Mose 20,13; 23,7) Sie sind gegen aktive Euthanasie, also die vorsätzliche Tötung eines leidenden oder sterbenden Menschen.
  • Christliches Mitgefühl erfordert die Linderung von Leid. (Matthäus 25,24-40; Lukas 10,29-37) Bei der Betreuung von Sterbenden entspricht es christlicher Verantwortung, Schmerzen und Leiden so weit wie möglich zu lindern. Dazu gehört aber nicht aktive Euthanasie. Wenn offenbar ist, dass medizinische Maßnahmen nicht mehr helfen können, sollte es vor allem um die Milderung des Leidens gehen. (idea/edp)




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