Wird Barack Obama zur Ikone der Deutschen?
KOMMENTAR von Wolfgang Polzer

Barack Obama ist designierter Kandidat der Demokratischen Partei für die Präsidentschaftswahl in den Vereinigten Staaten 2008. Seine Rede am 24. Juli in Berlin wurde von vielen Fernsehanstalten weltweit direkt übertragen. |
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Ein nüchternes politisches Urteil ist der Deutschen Sache wohl nicht. Diese zugegebenermaßen pauschale Einschätzung drängt sich auf angesichts des Rummels um Barack Obamas Auftritt am 24. Juli in Berlin. "Eine Stadt im Rausch" - so titelt die Tageszeitung "Die Welt". Rund 200.000 Menschen jubelten Obama auf der "Fan-Meile" an der Siegessäule zu. Namhafte Politiker erhoben den designierten US-Präsidentschaftskandidaten der Demokraten gar über den legendären John F. Kennedy ("Ich bin ein Berliner"). Obama, so hieß es, sei eine Symbiose von Kennedy und dem schwarzen Baptistenpastor und Bürgerrechtler Martin Luther King.
Hass und Verehrung Mit demselben Überschwang, mit dem viele Deutsche dem amtierenden US-Präsidenten George W. Bush ihren Hass entgegenbringen, erheben sie den 46-jährigen Senator des US-Bundesstaates Illinois zur Ikone - noch bevor er offiziell als Präsidentschaftskandidat nominiert, geschweige denn ins Weiße Haus eingezogen ist. Zu wenig Vernunft, zu viel Bauchgefühl - das ist das Mindeste, was man über die Verehrung für Obama sagen kann. Denn weder haben die Deutschen auch nur das Geringste über den Ausgang der Präsidentschaftswahl am 4. November zu bestimmen, noch verfügen die meisten über das nötige Wissen, um ein fundiertes Urteil zu fällen.
Böses Erwachen? Es könnte ein böses Erwachen geben - zum Beispiel für jene, die dem "Krieg gegen den Terror" mit höchstem Misstrauen begegnen. Denn Obama wird dieses von Präsident Bush gestartete Unternehmen nicht weniger entschlossen weiterführen - nur an einer anderen Front als im Irak, nämlich in Afghanistan. Mehr Einsatz fordert er auch von den Freunden und Verbündeten Amerikas. Was werden jene dazu sagen, die den Einsatz der Bundeswehr am Hindukusch schon jetzt mit wenig Wohlwollen begleiten? Und was ist mit der Todesstrafe, die Obama - wie jeder Präsidentschaftskandidat - keineswegs abschaffen will? Evangelikale Obama-Verehrer sollten auch nicht vergessen, dass er - im Unterschied zum designierten Kontrahenten John McCain - unter keinen Umständen daran rütteln will, dass in den USA Kinder bis zur Geburt straflos abgetrieben werden können.
Gleichgültigkeit für Jesus Derzeit können sich hierzulande solche nüchternen Überlegungen gegen die scheinbar grenzenlose Obama-Begeisterung kaum durchsetzen. Die Ernüchterung wird erst später kommen. Und damit vielleicht auch die Einsicht, dass sich ein US-Präsident Obama - außer in der Rhetorik - in der Realpolitik gar nicht so sehr von seinem Vorgänger Bush unterscheidet. Aber das spielt in der momentanen Stimmung keine Rolle. Die Deutschen scheinen wieder anfällig zu werden für eine Messiasgläubigkeit in der Politik. Sie steht im starken Kontrast zu der geistlichen Gleichgültigkeit, mit der die meisten dem Messias Jesus Christus begegnen. Die Begeisterung für ihn, der da ist, der da war und der da kommt, bleibt jedenfalls weit hinter dem Obama-Rausch zurück. (idea - Wolfgang Polzer ist Redaktionsleiter bei der Evangelischen Nachrichtenagentur idea.)
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