Deichmann warnt vor kurzfristiger Profit-Maximierung

Horst Deichmann

Seniorchef Heinz-Horst Deichmann (82) gründete 1977 das Missionswerk "Wort und Tat", das Projekte in Indien, Tansania und Israel unterstützt.

Die Wirtschaft sollte sich stärker an einer langfristigen Entwicklung als an kurzfristigen Erfolgen orientieren. Dafür hat der Chef des größten Schuh-Einzelhändlers Europas, Heinrich Deichmann (Essen), plädiert. Beim 20. "Tower Talk" des Instituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) sagte der 45-Jährige am 17. September in Bonn, er halte es für gefährlich, wenn Unternehmen nur nach kurzfristiger Profit-Maximierung streben: "Das führt dazu, dass immer mehr Menschen an dem Modell der Sozialen Marktwirtschaft zweifeln." Wenn die Bürger nicht mehr an dieses Wirtschaftssystem glaubten, was am Erstarken extremer politischer Kräfte sichtbar werde, "müssen bei uns die Alarmglocken läuten", sagte Deichmann vor rund 200 Zuhörern. Für sein unternehmerisches Handeln sei das biblische Menschenbild leitend: "Der Wert des Menschen wird von Gott definiert und steht daher nicht zur Disposition." Gleichwohl seien alle Menschen mit Sündhaftigkeit belastet. "Deshalb können wir Christen auch nicht das Paradies auf Erden erwarten." Das perfekte Wirtschaftsmodell gebe es nicht, nur das "relativ beste" System. Deichmann: "Für mich ist das die Soziale Marktwirtschaft."

Erfolg und Ethik schließen sich nicht aus
Wirtschaftlicher Erfolg und soziales Handeln müssten sich nicht gegenseitig ausschließen. So biete das Familienunternehmen Deichmann seinen Mitarbeitern eine Reihe von Sozialleistungen, etwa kostenlose Gesundheitswochen in der Schweiz, eine Unterstützungskasse, die den Mitarbeitern in Notfällen unbürokratisch hilft, und eine Betriebsrente. Auch bei den Lieferanten, die größtenteils in Asien beheimatet sind, achte man darauf, dass die Mitarbeiter unter menschenwürdigen Bedingungen arbeiten. Kinderarbeit und Ausbeutung seien verboten. Die Einhaltung eines Ethik-Kodex werde von unabhängigen Institutionen kontrolliert. Verstoße ein Lieferant dagegen, werde er abgemahnt. Ändere sich nichts, werde die Geschäftsbeziehung beendet. Deichmann verteidigte, dass das Unternehmen die Schuhe in Billiglohnländern produzieren lässt: "Hätten die Bürger diese Arbeit nicht, ginge es ihnen schlechter. Es ist für sie eine Möglichkeit, ihren Wohlstand zu steigern." Zur Produktion im Ausland gebe es keine Alternative.

Soziales Engagement nicht zu PR-Zwecken
Deichmann ging in seinem Vortrag auch auf das christlich-soziale Engagement des Unternehmens ein. So fließe ein Teil des Gewinns in Projekte in Indien, Tansania und Moldawien, wo beispielsweise Kinder aus armen Familien eine Schulausbildung und sozial Schwache eine medizinische Versorgung erhalten. Dieses Engagement wirke sich auch positiv auf die eigenen Mitarbeiter aus: "Viele können sich gut mit uns identifizieren, weil sie wissen, dass ein Teil des Geldes wirklich den Ärmsten der Armen zugute kommt." Diese Aktivitäten seien Ergebnis seiner christlichen Überzeugung, so Deichmann. Sie hätten nicht das Ziel, in der Öffentlichkeit besser da zu stehen: "Ich würde mich schlecht fühlen, wenn ich unser soziales Engagement dazu nutzen würde, um bessere Zahlen zu erzielen." Im vergangenen Jahr verkaufte Deichmann 122 Millionen Paar Schuhe. Das Unternehmen ist mit 2.300 Verkaufsstellen und etwa 27.000 Mitarbeitern in 18 Ländern vertreten. (idea)




NEUESTE NACHRICHTEN

Adventisten in Österreich wählen neuen Präsidenten

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.5.2013) Anlässlich der alle fünf Jahre stattfindenden Delegiertenversammlung wählten die Vertreter der 49 österreichischen Adventgemeinden und der Pastorenschaft am... 

mehr
Gesundheitsmagazin "Leben und Gesundheit" gründlich erneuert

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.5.2013) Das seit 1929 regelmäßig publizierte Magazin Leben und Gesundheit erscheint ab Mai mit 52 Seiten und neuer Aufmachung alle zwei Monate. Im... 

mehr
Suche nach Werten und Weisheit ist ein Megatrend

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.5.2013) Welche neuen Trends gibt es in Psychotherapie und Seelsorge? Darüber sprach der Psychiater und Psychotherapeut Samuel Pfeifer (Riehen bei Basel), zum Abschluss... 

mehr
Piraten-Partei will den Begriff "Ehe" abschaffen

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.5.2013) Die Piratenpartei zieht mit der Forderung, die Ehe abzuschaffen, in den Bundestagswahlkampf. "Wir Piraten setzen uns dafür ein, dass der Begriff ‚Ehe‘ durch... 

mehr
Adventisten in Dänemark beschließen geschlechtsunabhängige Ordination

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.5.2013) An der Delegiertenversammlung vom 12. Mai haben die Adventisten in Dänemark eine Stellungnahme zur Gleichstellung von Frau und Mann sowie zur Ordination... 

mehr
Größte deutsche Freikirche schrumpft ganz leicht

("Adventisten heute"-Aktuell, 17.5.2013) Die größte deutsche Freikirche schrumpft weiter. Die Zahl der Mitglieder im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden) sank im... 

mehr
Adventisten wählen Freikirchenleitung in Hessen, RP und Saarland

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.5.2013) Pastor Norbert Dorotik (58) wurde als Vorsteher der Mittelrheinischen Vereinigung der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten mit Sitz in Darmstadt in... 

mehr
Antisemitismus: Gewalt gegen Juden nimmt weltweit stark zu

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.5.2013) Antisemitische Gewalttaten haben im vergangenen Jahr weltweit um 30 Prozent gegenüber 2011 zugenommen. Die meisten der insgesamt 686 Vorfälle ereigneten sich... 

mehr
Michael Herbst: Wie Christen mit dem Zeitgeist umgehen sollten

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.5.2013) Christen sind dazu aufgerufen, die Geister zu unterscheiden. Sie sollten weder alles verurteilen, was jetzt anders ist als früher, noch alles bejubeln, was... 

mehr
"Hoffnung vereint" - Jahreskonferenz der Schweizer Adventisten

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.5.2013) Am 4. Mai fand die Jahreskonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz statt. David Jennah, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in der... 

mehr
Viele Adventisten leben in Papua-Neuguinea unverheiratet zusammen

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.5.2013) Eine kürzlich durchgeführte Studie über die Ehe in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Papua-Neuguinea habe gezeigt, dass dort unverheiratetes... 

mehr
Europäische Adventisten unterstützen ihre Kirche am großzügigsten

("Adventisten heute"-Aktuell, 10.5.2013) Die Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten erhebt keine Kirchensteuer, sondern unterhält ihre Pastoren und Institutionen durch freiwillige Gaben, zu denen... 

mehr
 

NEUERSCHEINUNGEN

Freu(n)de, Hoffnung, Malzkaffee. Tischgespräche über Gott und die Welt

von Christian Noack 



 96 Seiten
Paperback
11 x 18 cm
ersch. 2013
€ 4,50
Leserkreis-
Mitglieder:
€ 3,00
Best.-Nr. 1933      

mehr  mehr

Ich verstehe Gott nicht! Ich glaube - warum muss ich leiden?

von Gavin Anthony 



 208 Seiten
Paperback
14 x 21 cm
ersch. 2013
€ 14,80
Leserkreis-
Mitglieder
€ 11,80
Best.-Nr. 1932      

mehr  mehr