Obama gewinnt bei den wenig Religiösen

 Portrait Barack Obama

"Mit der Wahl von Barack Obama geht die von Martin Luther King ausgestreute Saat der friedlichen Verständigung auf", meint der Präsident des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (Baptisten- und Brüdergemeinden), Diakoniedirektor Emanuel Brandt (Hamburg).

Der künftige US-Präsident Barack Obama hat bei seinem Wahlsieg am 4. November vor allem auf die religiös ungebundenen und die nicht-christlichen Wähler zählen können. Auch Katholiken stimmten mehrheitlich für den evangelischen Demokraten, während er bei den Protestanten insgesamt nicht die Mehrheit erreichte und nur ein Viertel der Evangelikalen hinter sich bringen konnte. Allerdings übertrumpfte Obama bei allen religiösen Wählergruppen bis auf die Anhänger nicht-christlicher Religionen das Ergebnis des Herausforderers von Präsident George W. Bush vor vier Jahren, John Kerry. Das geht aus einer Wahlanalyse des Pew-Forschungsinstituts (Washington) hervor.

US-Evangelikale warten ab
Durchweg begrüßten alle Kirchen und Frömmigkeitsrichtungen in den USA, dass am 20. Januar erstmals ein Afro-Amerikaner ins Weiße Haus einzieht. Ökumenisch und theologisch liberal ausgerichtete Kirchen wie der Nationale Kirchenrat boten Obama auch ihre Zusammenarbeit an, etwa bei der Bekämpfung der Armut und beim Ausbau des Gesundheitswesens. Theologisch Konservative verhalten sich eher abwartend. Richard Land und Albert Mohler, führende Repräsentanten der 16 Millionen Südlichen Baptisten, erklärten, man werde aufmerksam beobachten, wie sich Obama in ethischen Fragen verhalte. Er habe erklärt, dass er die Ehe als Verbindung von Mann und Frau betrachte; jetzt müsse er auch dafür angesichts der Bestrebungen nach "Homo-Ehen" einstehen.

Votum gegen "Homo-Ehe"
Am Wahltag stimmten die Bürger in den Bundesstaten Kalifornien, Florida und Arizona auch für das bestehende Eheverständnis und lehnten damit die Einführung der "Homo-Ehe" ab. Laut Mohler hat das Ringen um die Würde und Heiligkeit des ungeborenen menschlichen Lebens durch die Wahl einen Rückschlag erlitten. Obama steht für das "Recht" der Frau auf Schwangerschaftsabbruch und will das Grundsatzurteil, das 1973 die Abtreibung freigab, erhalten. Die konservative Christliche Verteidigungskoalition hat eine nationale Lebensrechtskampagne als Reaktion auf Obamas Wahl angekündigt.

Lutherischer Weltbund: historischer Augenblick
International ist Obamas Sieg bei Kirchen auf Wohlwollen gestoßen. Papst Benedikt XVI. will für Obama beten, dass er seiner nationalen und internationalen Verantwortung gerecht wird. Der Präsident der Lutherischen Weltbunds, Bischof Mark S. Hanson (Chicago) bezeichnete die Wahl als "historischen Augenblick". Die Russisch-Orthodoxe Kirche hofft, dass die USA und Russland in einen von gegenseitiger Achtung geprägten Dialog treten.

Offenes und liberales Christentum
In Deutschland begrüßten Spitzenrepräsentanten der evangelischen Kirchen ebenfalls den Sieg Obamas. Dieser gehört der reformiert geprägten Vereinigten Kirche Christi (United Church of Christ/UCC) an, die mit der EKD und einigen Landeskirchen partnerschaftlich verbunden ist. Nach Angaben von EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte (Hannover) pflegt die US-Kirche ein offenes und liberales Christentum, das den deutschen Verhältnissen sehr nahe komme. Von Obama sei keine religiöse Überhöhung politischer Fragen zu erwarten, wie sie in Bushs Amtszeit aufgrund dessen enger Verbindung zu den Evangelikalen vorgekommen sei. (idea)




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