Studie: Internet macht einsamer

Internet-Sog

Gut ein Drittel der jungen Generation glaubt, Defizite des Lebens durch die Beschäftigung mit dem Computer ausgleichen zu können.

("Adventisten heute"-Aktuell, 2.4.2010) Die Mehrheit der Deutschen ist davon überzeugt, dass das Internet die Menschen einsamer macht. Das ergab eine repräsentative Vergleichsstudie der Stiftung für Zukunftsfragen (Hamburg). Wie diese am 16. März mitteilte, sind 59 Prozent der Meinung, dass durch die virtuelle Welt die Vereinsamung zunimmt. 1998 seien noch 41 Prozent dieser Ansicht gewesen.

"Im Internetzeitalter klaffen Wunsch und Wirklichkeit immer mehr auseinander", sagte der wissenschaftliche Leiter der Stiftung, Prof. Horst W. Opaschowski. "Neue Kontaktnetze sind oft nur einen Mausklick weit entfernt, können aber zwischenmenschliche Beziehungen immer weniger ersetzen, weil sie oberflächlich und beliebig bleiben." Mailen, Chatten und Surfen seien zwar zum Volkssport für die junge Generation geworden. "Aber viele junge Leute zappen durch ihr Leben und warten auf Beständigkeit vergebens."

Ein wachsender Teil der 14- bis 34-Jährigen vermisse zunehmend "beständige Beziehungen" (2010: 53 Prozent, 1998: 42 Prozent). 58 Prozent aller Befragten sind zudem der Ansicht, dass die Kontakte im Netz oberflächlich bleiben. 1998 meinten dies 41 Prozent. Jeder Dritte (32 Prozent) glaubt, dass man so auch weniger soziale Kontakte am Arbeitsplatz hat (1998: 25 Prozent). Das Internet sei "mehr Jobkiller als Beschäftigungsmotor", sagen inzwischen 29 Prozent (1998: 20 Prozent). Nicht einmal jeder Vierte (24 Prozent) sieht das Internet als Bereicherung für das private Leben (1998: 26 Prozent).

Internet fördert Aggressivität
Zudem glaubt fast jeder Zweite (46 Prozent), dass die Sinnesüberreizung die Aggressivität fördert (1998: 37 Prozent). Opaschowski: "Die kulturkritische Befürchtung, wonach wir es in Zukunft mit einer reizüberfluteten Generation zu tun haben, die im Alltag zunehmend nervöser und aggressiver reagiert, kann Wirklichkeit werden." Hyperaktivität und Konzentrationsmangel könnten die Folge sein, weil die junge Mediengeneration permanent mit schnellen Schnitten sowie abrupten Szenen- und Situationswechseln aufwachse.

Mehrere Leben leben
Unter den Internetnutzern von 14 bis 34 Jahren geben immer mehr offen zu, dass sie im Internet selbst "eine Rolle spielen" und "sich anders geben" können, als sie wirklich sind (2010: 49 Prozent, 1998: 29 Prozent). Auch nutzen viele von ihnen den Computer als Rückzugsnische mit der Begründung, auf dieser Weise "dem Stress und der Hektik des Lebens zeitweilig zu entfliehen" (2010: 44 Prozent, 1998: 30 Prozent). Gut ein Drittel der jungen Generation (37 Prozent) glaubt, Defizite des Lebens durch die Beschäftigung mit dem Computer ausgleichen zu können (1998: 30 Prozent.

Opaschowski: "Für die junge Mediengeneration ist die Computerkultur ein zweites Leben (Second Life) geworden. Avatar lebt: Im Internet können sich die jungen Leute immer wieder neu erfinden. Der Wunsch kommt auf: Mehrere Leben leben!" Dennoch glaubt nur etwa jeder Vierte (2010: 26 Prozent, 1998: 27 Prozent), dass diese Einstellung Auswirkungen auf ihre Werteorientierung hat. Das Internet ist für sie nur eine Schaubühne, auf der sie spielen und gelegentlich auch probeleben können. Nach Ansicht der Stiftung wird vor dem Hintergrund dieser Ergebnisse die Erziehung zur Medienkompetenz für Kinder und Jugendliche immer wichtiger werden - vom persönlichen Medienkonsum nach Maß über regelmäßige Entspannungsübungen bis zu attraktiven Alternativen zum multimedialen Angebot.

Für die Studie wurden in Deutschland 2.000 Personen ab 14 Jahren befragt. (idea)




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