Frauenordination bleibt Diskussionsthema bei den Adventisten

Doug Batchelor

Doug Batchelor, TV-Evangelist und adventistische Pastor in Sacramento, Kalifornien, belebt die Diskussion um die Ordination der Frau zum Pastorenamt.

("Adventisten heute"-Aktuell, 23.4.2010) Die Frage der Ordination von Frauen kommt nicht auf die Tagesordnung der 59. Vollversammlung der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten, die vom 23.6. bis 3.7.2010 in Atlanta (USA) stattfindet, sagte Pastor Jan Paulsen, Präsident der Weltgemeinschaft.

Nur drei von 13 Divisionen dafür
In seiner Ansprache an Verantwortungsträger anlässlich der Frühjahrssitzung in Silver Spring (Maryland, USA), sagte Paulsen, eine Umfrage bei den 13 Regionen (Divisionen) der Weltkirche habe gezeigt, dass nur drei von ihnen offen für eine Veränderung der aktuellen Handhabung seien, Frauen nicht zum Pastorendienst zu ordinieren. Acht Divisionen meinen, ein solcher Schritt würde sich negativ auf die Glieder in ihrem Gebiet auswirken. Zwei weitere Divisionen hätten sich anscheinend nicht dazu geäußert.

Aus Rücksicht zu den acht Divisionen, die eine "Untergrabung der Einheit der Kirche" in ihren Gebieten befürchten, werde das Thema nicht auf die Agenda genommen, obwohl viele darauf hinweisen, dass einiges sich innerhalb der letzten zehn Jahre verändert habe. "Es ist ein Erziehungs- und Wachstumsprozess im Gange", meinte Paulsen. "Vielleicht bedarf es eines Generationenwechsels, ich weiß es nicht."

Bekannter Evangelist predigt gegen die Ordination von Frauen
Am 6. Februar 2010 hielt Doug Batchelor, Hauptpastor der Sacramento Central Seventh-day Adventist Church in Kalifornien und Präsident des Medienzentrums "Amazing Facts" eine Predigt mit dem Titel "Frauen als Pastoren: ein biblischer Überblick", die über "Amazing Facts" übertragen wurde. Darin lehnte Batchelor die Ordination von Frauen zum Pastoren- und zum Gemeindeältesten-Amt ab, da nach Gottes Willen die Frau dem Mann untertan sei. "Die Sünde kam in die Welt als Ergebnis davon, dass der Mann seine Frau vernachlässigte und dass die Frau die Führungsrolle ihres Ehemannes missachtete", sagte Batchelor. Weiter wies er auf die biologischen Unterschiede zwischen den Geschlechtern hin, so habe der Mann beispielsweise mehr Nervenzellen im Gehirn als die Frau. Außerdem läge laut dem "British Journal of Psychology" der IQ bei Männern im Durchschnitt um fünf Punkte höher als bei Frauen. Auch wandte er sich gegen die Praxis der Kirche in Nordamerika, die Ordination von Frauen mit Begriffen wie "Beauftragung" zu umschreiben und zu praktizieren. Auf diesem Umweg würden Frauen alles tun, was die männlichen Pastoren auch tun: "Sie taufen, sie leiten das Abendmahl, sie führen die heiligen Handlungen durch, von denen Gott ursprünglich gesagt hat, sie seien dem Mann vorbehalten."

Kirchenleitungen nehmen Stellung zu Batchelors Predigt
Auf die Aussagen von Batchelor hin angesprochen, wies Jim Pedersen, Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Nordkalifornien und somit Vorgesetzter von Batchelor, darauf hin, dass die Nordkalifornische Vereinigung schon länger Frauen im Pastorenamt unterstütze. Außerdem habe die Vollversammlung der Nordkalifornischen Vereinigung im Jahr 2002 beschlossen, der Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) die Ordination von Frauen zu empfehlen.

Auch der Exekutivausschuss der Siebenten-Tags-Adventisten in Südosten Kaliforniens, der 169 Adventgemeinden vertritt, nahm am 25. März Stellung und äußerte große Besorgnis über die Art und Weise, wie Doug Batchelor das Thema Ordination von Frauen zum Predigtamt behandelt hat. Folgende Punkte fassen das Wesentliche zusammen: Batchelors Darlegung stelle weder die Haltung noch die Praxis der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten dar; sie sollte nicht unbeantwortet bleiben, als würde sie die Auffassung der Kirche widerspiegeln; Batchelors Darlegung stimme nicht mit der Auffassung führender adventistischer Forscher überein; sie beleidige gottesfürchtige Frauen, die sich dem Pastorendienst gewidmet haben und durch die Gott am Wirken ist; sie missbrauche und verzerre die Heilige Schrift in vielfältiger Weise.

Offener Brief eines europäischen Kirchenpräsidenten
Auch der Präsident der Siebenten-Tags-Adventisten in Großbritannien, Don W. McFarlane, sah sich genötigt, im Zusammenhang mit der Predigt von Doug Batchelor einen offenen Brief an die Pastoren und Gemeindeleiter in der Gemeindezeitschrift "Messenger" vom 16. April zu veröffentlichen. Darin erinnert er an einen Beschluss der Generalkonferenz-Vollversammlung von 1881 (sic), der die Ordination von Frauen befürwortete, sofern sie die notwendigen Qualifikationen besitzen sollten. 1975 wurde während der Frühjahrssitzung der Generalkonferenz beschlossen, dass Frauen als Diakoninnen und Gemeindeältesten in den Divisionen ordiniert werden dürfen, in denen dies angebracht, möglich oder nutzbringend sei.

In seinem offenen Brief erinnert McFarlane daran, dass nach der Ablehnung einer Regelung für die Gesamtkirche 1995 in Utrecht, jeder Division die Möglichkeit eingeräumt wurde, Personen unabhängig von ihrem Geschlecht für bestimmte Aufgaben zu ordinieren, deren Einsatz auf die betreffende Divisionen beschränkt bliebe. Bei der letzten Herbstsitzung der Generalkonferenz (Oktober 2009) habe der Präsident der Nordasien-Pazifik-Division über das Wachstum der Siebenten-Tags-Adventisten in China berichtet, das nur dadurch zu bewältigen sei, dass Frauen sich führend als Pastorinnen und in der Evangelisation einbringen. Außerdem zitiert McFarlane mehrmals Ellen G. White, die sich für den Dienst von Frauen und die "Handauflegung" für ihren Dienst äußerte.

Die Kirche in Großbritannien (British Union) unterstütze die Position der Weltgemeinschaft und distanziere sich von der Predigt von D. Batchelor, denn "nach unserem biblischen Verständnis sind es die Gaben des Heiligen Geistes, die uns für Führungsaufgaben in der Gemeinde qualifizieren, und nicht das Geschlecht". Im Gegensatz zum römisch-katholischen Verständnis von Ordination, die an die apostolische Nachfolge (Sukzession) gekoppelt ist, "glauben wir als Siebenten-Tags-Adventisten, dass die Ordination keine zusätzlichen Begabungen oder ein größeres Maß an Gnade verleiht, und somit auch keine größere göttliche Autorität als die, die schon vor der Ordination vorhanden war".

Im Blick auf paulinische Aussagen, die den Eindruck erwecken, als seien bestimmte Aufgaben in der Gemeinde nur Männern vorbehalten, schreibt McFarlane, diese Texte seien im zeitlichen Kontext unter Berücksichtigung der damaligen Umstände auszulegen. Schließlich glaube kein Adventist, dass die Sklaverei heute in Ordnung sei. "Die allgemeine Sicht der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten bezüglich der Ordination von Frauen ist, dass die Bibel weder dazu ermutigt noch davon abrät, so dass die Gemeinde heute die großen Prinzipien der Schrift berücksichtigen muss. Nach unserem Verständnis stehen wir als Männer und Frauen ebenbürtig vor Gott. Christus hat die Mauer niedergerissen, die Juden von Nichtjuden, Sklaven von Freien, Männer von Frauen trennte" fasst McFarlane zusammen. (edp)

 




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