Militärbischof: Respekt für zu Guttenbergs Rücktritt

Karl-Theodor zu Guttenberg

Karl-Theodor zu Guttenberg legte am 1. März sein Amt nach wochenlangen Auseinandersetzungen um seine Doktorarbeit nieder. (Foto: Dirk Vorderstraße, Lizenz: CC BY 3.0)

("Adventisten heute"-Aktuell, 4.3.2011) Der Rücktritt von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg ist in der evangelischen Kirche mit Respekt aufgenommen worden. Ein Theologieprofessor bedauert aber auch, dass der CSU-Politiker keine Schuld eingestanden habe. Zu Guttenberg legte am 1. März sein Amt nach wochenlangen Auseinandersetzungen um seine Doktorarbeit nieder. Er soll wesentliche Teile der Dissertation abgeschrieben und die Quellen nicht genannt haben. Er räumte schwerwiegende Fehler ein und verzichtete auf den Doktortitel, der ihm auch aberkannt wurde. Mit seinem Rücktritt will der Minister, wie er erklärte, Schaden von seinem Amt und der Bundeswehr abwenden: "Wenn es auf dem Rücken der Soldaten nur noch um meine Person gehen soll, kann ich dies nicht mehr verantworten." Der Tod und die Verwundung von Soldaten rückten in der Öffentlichkeit in den Hintergrund. Auch erfordere die Reform der Bundeswehr ungeteilte Konzentration.

Militärbischof: Gottes Segen für zu Guttenberg
Die Evangelische Militärseelsorge respektiert zu Guttenbergs Entscheidung. Damit übernehme der Minister Verantwortung für ein persönliches, früheres Fehlverhalten, erklärte Militärbischof Martin Dutzmann (Detmold). Er sei "dankbar für die vertrauensvolle Zusammenarbeit in den vergangenen 16 Monaten und für das Verständnis, das der Minister den seelsorgerlichen Anliegen der Kirche unter den Soldaten entgegengebracht hat". Dutzmann verweist auch auf die Bundeswehrreform, die der Minister wesentlich angestoßen habe. Sie bedürfe in vielen Details noch entscheidender Weichenstellungen. Dutzmann: "Dafür und für den weiteren Weg von Karl-Theodor zu Guttenberg erbitte ich Gottes Segen."

Theologieprofessor: Zu Guttenberg verpasst Chance
Der evangelische Theologieprofessor Rainer Riesner (Dortmund) hält den Rücktritt für notwendig. Werte wie Ehrlichkeit und Verlässlichkeit dürften nicht außer Kraft gesetzt werden, schreibt er in einem Kommentar für die Evangelische Nachrichtenagentur "idea". Das Ausmaß der Übernahme fremden geistigen Eigentums in zu Guttenbergs Doktorarbeit lasse sich nicht als Versehen erklären. In jeder Krise stecke aber auch eine Chance, so Riesner. Es wäre ein bedeutendes Zeichen für die gesamte Gesellschaft gewesen, wenn der Minister als katholischer Christ nicht nur Fehler, sondern auch Schuld zugegeben hätte. Dann hätten biblische Grundworte wie Schuld und Vergebung sowie Gott ins öffentliche Gespräch kommen können. Riesner bedauert, dass zu Guttenberg diese Möglichkeit auch bei seiner Rücktrittserklärung nicht genutzt habe. Sein vielleicht ehrlichster Satz sei gewesen: "Ich habe die Grenzen meiner Kraft erreicht." Riesner: "Man kann Karl-Theodor zu Guttenberg nur von Herzen Freunde und Seelsorger wünschen, die ihm klarmachen, dass er nicht nur vor der Öffentlichkeit, sondern auch vor Gott Verantwortung trägt. Bei Gott aber sind jederzeit Umkehr und Neuanfang möglich."

Richten Sündlose über Sünder?
Der CSU-Politiker sollte am 25. Februar beim Kongress christlicher Führungskräfte in Nürnberg reden. Er sagte den Termin mit der Begründung ab, er wolle sich Zeit nehmen, um nach der Trauerfeier für drei in Afghanistan gefallene Soldaten mit den Angehörigen zu sprechen. Statt zu Guttenberg sprach auf dem Kongress unter dem Motto "Mit Werten in Führung gehen" der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder (CDU). Der Vorsitzende des Kongresses mit rund 3.800 Teilnehmern, Pastor Horst Marquardt (Wetzlar), begründete die Entscheidung, zu Guttenberg nicht auszuladen: "Es würde keinen christlichen Wertekongress geben, wenn man nur Referenten einladen dürfte, die völlig makellos wären." Fast alle großen biblischen Gestalten könnten dann dort nicht auftreten: "Mose nicht wegen Totschlags, Abraham nicht wegen Lüge, David nicht wegen Mordes und Ehebruchs und Paulus nicht, weil er als einstiger Christenverfolger gleich mehrere Menschen auf dem Gewissen hatte." Es könne unter Christen nicht darum gehen, dass vermeintlich Sündlose über Sünder richten, so Marquardt. (idea)




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