Theologieprofessor Michael Herbst rät: Aufgaben radikal beschränken

Michael Herbst (Willow-Kongress 2012)

Michael Herbst ist seit 1996 Professor für Praktische Theologie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald. Dort leitet er auch das Institut zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung. (Foto: Willow)

("Adventisten heute"-Aktuell, 29.1.2012) Eine radikale Aufgabenbeschränkung empfiehlt der evangelische Theologieprofessor Michael Herbst (Greifswald) Kirchengemeinden und christlichen Gemeinschaften. Sie sollten sich fragen, welche Aktivitäten sie für unaufgebbar halten, und alles andere zurückstellen, sagte der Direktor des Instituts zur Erforschung von Evangelisation und Gemeindeentwicklung der Universität Greifswald beim Willow-Creek-Leitungskongress am 27. Januar in Stuttgart.

Wenig, aber das Wesentliche konkret
Laut Herbst sollte jede Gemeinde mit wenigen Sätzen ausdrücken können, wie sie den allgemeinen kirchlichen Auftrag umsetzt, Menschen mit Jesus Christus in Kontakt zu bringen. Nötig seien präzise Beschreibungen, die "etwas anderes" seien als mühsam formulierte Leitsätze wie "Unsere Gemeinde bezeugt der Welt die Liebe Gottes". Beispielsweise könne es heißen: "Wir haben die Aufgabe, in diesem Stadtviertel besonders den sozial schlecht gestellten Kindern und Jugendlichen Gottes Liebe zu bezeugen, indem wir ihnen Schularbeitenhilfe, Spiel- und Sportangebote und persönliche Betreuung anbieten und indem wir ihnen bezeugen, dass sie für Jesus unaufgebbar sind. So hoffen wir, dass auf Dauer auch ihre Familien gewonnen werden. Mit ihnen wollen wir die Gemeinde bilden und die Gottesdienste gestalten, die zu diesem Viertel passen." Herbst hält drei konkrete Aufgaben für ausreichend.

Unaufgebbar: die Menschen, nicht die Gebäude oder die Kirchensteuer!
„Das Unaufgebbare" seien nicht die Kirchenräume und Gemeindehäuser, sondern die Menschen, die Jesus für so unaufgebbar hielt, „dass er seinen Sohn gab ..." (Joh 3,16) Herbst: „Die Gemeinde Jesu besteht aus Beinen, nicht aus Steinen." Und: „Ist eine kalte Kirchensteuer ein Segen? Eine reiche Kirche kann zum reichen Jüngling werden!" Gerade Kirchen und Gemeinden, die finanziell besonders gut situiert seien, könnten kaum mehr entscheiden, was wichtig und unwichtig sei, betonte Herbst.

Gemeinden sollten jedes Jahr überprüfen, ob ihr Fokus richtig gesetzt sei. Leitungskreise sollten sich fragen: "Was von alledem, was wir heute tun, würden wir nicht wieder beginnen, wenn wir es nicht schon täten?", empfahl der Theologe. (idea/edp)




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