Seelsorgerliche Begleitung von Patienten immer wichtiger

Arzt unterhält sich mit Patientin

Neben der fachlichen Betreuung gewinne vor allem die psychische und seelsorgerliche Begleitung der Patienten immer mehr an Bedeutung. (Foto: MEV)

("Adventisten heute"-Aktuell, 23.3.2012) In Medizin und Pflege vollzieht sich seit einigen Jahren ein nachhaltiger Wandel. Neben der fachlichen Betreuung gewinne vor allem die psychische und seelsorgerliche Begleitung der Patienten immer mehr an Bedeutung. Diese Ansicht vertrat der Sozialpsychiater Prof. Klaus Dörner (Hamburg) am 22. März zur Eröffnung des 3. Christlichen Gesundheitskongresses in Kassel. Aufgrund der rasanten technischen Fortschritte in der medizinischen Forschung stürben Patienten heute seltener an akuten Krankheiten. Dafür habe die Zahl der chronischen Erkrankungen deutlich zugenommen. Das erfordere häufig eine dauerhafte Begleitung von Patienten.

Mischung aus medizinischer und familiär-sozialer Begleitung
"Wir wachsen in die Gesellschaft mit dem größten Hilfsbedarf der Menschheitsgeschichte hinein", erklärte Dörner. Selbst wenn man das Pflegepersonal vervier- oder gar versechsfachen würde, reichte das nicht aus, um dem wachsenden Pflegebedarf gerecht zu werden, sagte er. Um der Herausforderung gerecht zu werden, schlug Dörner eine Mischung aus medizinischer und familiär-sozialer Begleitung vor. Hier könnten sich auch Kirchgemeinden stärker als bisher einbringen. "Wenn Gemeinden sich von dem obersten biblischen Gebot von Gottes- und Menschendienst leiten lassen, dann werden sie auch hilfsbedürftige Menschen begleiten", so der Forscher. Viele Gemeinden hätten das jedoch verlernt.

Was christliche anderen Pflegeeinrichtungen voraus haben
Der Direktor des Forschungszentrums Generationenverträge an der Universität Freiburg, Prof. Bernd Raffelhüschen, wies in diesem Zusammenhang auf die demografische Entwicklung in Deutschland hin. Während die Menschen immer älter würden, gebe es immer weniger Kinder, die sich einmal um die Älteren kümmern könnten. Pflege- und Dienstleistungsberufe gewönnen vor diesem Hintergrund ganz neu an Bedeutung. Christliche Einrichtungen und Christen im Gesundheitswesen hätten gegenüber anderen den Vorteil, dass sie die spirituelle Dimension mit "bedienten".

Heil und Heilung gehören zusammen
Der 3. Christliche Gesundheitskongress steht unter dem Thema "Heilen und Begleiten - Auftrag und Wirklichkeit". Wie der Chefarzt der Psychotherapeutischen Abteilung der Klinik Hohe Mark in Oberursel, Martin Grabe, sagte, gehören Heil und Heilung zusammen. Das wolle man mit dem Kongress neu verdeutlichen. "Die heutigen Krankenhäuser sind ja alle aus mittelalterlichen Hospizen entstanden, die natürlich alle christlich ausgerichtet waren", so Grabe, der auch zum Vorbereitungskreis des Kongresses gehört.

Bis zum 24. März werden 1.400 Teilnehmer erwartet. Wie Pressesprecher Frank Fornaçon vor Pressevertretern sagte, sind gut die Hälfte der Teilnehmer Mediziner und Pflegekräfte, der Rest komme aus dem seelsorgerlichen, psychotherapeutischen und verwaltungstechnischen Bereich. (idea)

 




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