Margarethe Undritz kurz vor dem 100. Geburtstag gestorben

Margarethe Undritz

Margarethe Undritz (1912-2011) war eine eindrucksvolle Persönlichkeit, der viele Jahrgänge von Pastoren ihre Griechisch- und Hebräisch-Kenntnisse verdanken.

("Adventisten heute"-Aktuell, 6.4.2012) Am 13. November 2011 verstarb Margarethe Tamara Undritz, langjährige Sprachenlehrerin am Theologischen Seminar Marienhöhe und am Seminar Saokski (Russland). Sie war 99 Jahre und neun Monate alt. Am 16. November wurde sie unter großer Anteilnahme auf dem Waldfriedhof in Friedensau beigesetzt. Viele Gemeindeglieder, Angehörige der Theologischen Hochschule Friedensau, einschließlich des Rektors und vieler Dozenten sowie Lehrende des Seminars Marienhöhe und ehemalige Schüler gaben ihr das letzte Geleit. Die Trauerfeier gestalteten Pastor Gerald Hummel und Pastor i. R. Egon Hennig gemeinsam.

Margarethe Undritz wurde am 3. Februar 1912 als Kind einer deutschstämmigen Familie in Werro, Estland geboren. Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie nach Sankt Peterburg (Russland). In den Sommermonaten hielten sie sich auf dem Land auf. Dort hielt ein adventistischer Prediger öffentliche Vorträge über das Buch Daniel. Das Interesse von Margarethes Mutter war geweckt. Sie bekam Bibelstunden und ließ sich taufen. Ab 1920 lebte die Familie wieder in Estland. Margarethe Undritz beendete ihre Schulzeit mit dem Abitur. Am 16. Mai 1931 ließ sie sich taufen.

Von 1932 bis 1935 erlernte sie den Beruf der Krankenschwester in Skodsburg (Dänemark) und arbeitete später einige Jahre als Lehrerin an der adventistischen Schule in Estland. 1941 rief man sie als Lehrerin nach Friedensau. Sie gab Kurse für Prediger, in Krankenpflege und unterrichtete kaufmännische Lehrgänge. 1941 bekam sie die deutsche Staatsbürgerschaft.

1943 bis 1945 arbeitete sie in Friedensau als Krankenschwester im Lazarett der deutschen Wehrmacht und betreute gleichzeitig die dort lebenden holländischen Kriegsgefangenen. Mit dem Einmarsch der sowjetischen Armee war ihr Aufenthalt in Friedensau als Person baltischer Abstammung nicht mehr sicher. Sie ging nach Berlin, in den amerikanischen Sektor, und bekam eine Anstellung bei der amerikanischen Militärregierung. Aufgrund ihrer enormen und vielfältigen Sprachkenntnisse arbeitete sie von 1946 bis 1948 als Dolmetscherin am Internationalen Gerichtshof für Kriegsverbrechen in Nürnberg.

Im Oktober 1948 begann ihr Dienst auf der Marienhöhe, zuerst auch als Heimleiterin, vor allem aber als Lehrerin für Alte Sprachen, Englisch und Gesundheitslehre. Sie war eine eindrucksvolle Persönlichkeit, der viele Jahrgänge von Seminaristen ihre Griechisch- und Hebräisch-Kenntnisse verdanken - und das Englisch des 19. Jahrhunderts, um die adventistische Traditionsliteratur zu verstehen. Auf der Marienhöhe blieb sie bis zu ihrer Pensionierung und unterrichtete noch einige Jahre darüber hinaus. Weiterbildungen absolvierte sie an der Johann Wolfgang Goethe Universität in Frankfurt/Main und an der Andrews-Universität in den USA.

1990 wurde sie von der Generalkonferenz der Siebenten-Tags-Adventisten gebeten, als Lehrerin für neutestamentliches Griechisch am neu gegründeten Theologischen Seminar in Saokski (Russland) zu arbeiten. Dort wirkte sie, nun schon fast 80 Jahre alt, bis 1993. Danach kehrte sie nach Darmstadt zurück und lebte dort, bis sie im Januar 2003 nach Friedensau umzog. Dort starb sie am 13. November 2011 in den frühen Morgenstunden im dortigen Senioren- und Pflegeheim.

Die Trauerfeier stand unter den Worten aus Jesaja 35,10: "Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein: Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen." Und in Matthäus 25,34 heißt es: "Kommt her, ihr Gesegneten meines Vater, ererbt das Reich, das euch bereitet ist von Anbeginn der Welt!" An dieser Hoffnung hielt Margarethe Undritz bis zum Schluss fest. (Egon Hennig, Pastor i. R./wb)

 




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