Hauptbeiträge der Printausgabe:

 2/2004

Wissen sie, was sie tun?  Editorial von Elí Diez

Wissenswert

Scheidung o. k., schwarzfahren nicht! von Stephan Lobitz

Vom Wert der Werte von Christian Noack

Freiheit hat Grenzen - Interview mit Dr. Christa Meves

Weil ich es IHM wert bin! von Beate Strobel
Die Zehn Gebote: Angebote für ein Leben mit Profil von Michael Mainka

Er kennt mich! von Sandrine Götzinger

Jesus von Nazareth: Wer war er wirklich? (von André Liebig)  
   

 

Wissen sie, was sie tun?

Liebe Leserin, lieber Leser!

Während ich diese Zeilen schreibe, herrscht in ganz Spanien Trauer und Entsetzen nach den blutigen Anschlägen in Madrid. 200 Menschen haben ihr Leben verloren, 1500 weitere wurden verletzt, weil … Ja, warum eigentlich?
Während Tausende meiner Landsleute an Kundgebungen gegen den Terror teilnehmen, ringen Ärzte um das Leben der Opfer, die noch in Lebensgefahr schweben, und suchen Ermittler fieberhaft nach den Verantwortlichen für die Anschläge. Zehn Sprengladungen in voll besetzten Pendlerzügen - wer bringt so etwas fertig? Und wozu?

Ich habe vor etwa 40 Jahren - weil recht früh mit Leid in der Familie konfrontiert - begonnen, mir Gedanken über das Warum und Wozu menschlichen Leides zu machen. An Tagen wie dem 11. September (2001) oder nun dem 11. März (2004) empfinde ich so, als wäre ich in meiner Suche nicht sehr weit gekommen. Die Dimensionen menschlicher Bosheit und Grausamkeit sind einfach nicht auszuloten.

Die entscheidende Antwort habe ich allerdings bereits gefunden: Am Kreuz auf einem Hügel außerhalb Jerusalems, an dem vor zweitausend Jahren Jesus Christus, der menschgewordene Gott starb. Auch dort wurde ein Unschuldiger ermordet. Auch dort wurden ungeahnte Tiefen menschlichen Hasses deutlich. Aber genauso die unauslotbare Tiefe göttlicher Liebe zu einer Menschheit, die ihr Glück dort sucht, wo es nicht auffindbar ist: in der Emanzipation von ihrem Schöpfer. Jesus Christus starb am Kreuz, um die Menschen von der Schuld zu befreien, die sie nach ihrer Trennung von Gott auf sich geladen haben. Seitdem steht unserer Rückkehr zur ursprünglichen Harmonie und Gemeinschaft mit Gott nichts mehr im Wege.

Diese Liebe Gottes macht mich still. Sie befähigt mich, zu leben, zu warten, zu hoffen … und sogar denen Gutes zu wünschen, die "nicht wissen, was sie tun" (Lukas 23,34).

Ihr
Elí Diez


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Wissenswert

WASSER GEGEN HERZINFARKT
Ärzte der Loma Linda Universität, USA, berufen sich auf Untersuchungen, bei denen ein eindeutiger Zusammenhang zwischen regelmäßigem Trinken - mindestens acht Gläser pro Tag - und einem verringerten Herzinfarktrisiko besteht. "Durst reicht nicht aus, um genügend Wasser zu trinken", meint Dr. Jacqueline Chan. "Trinken muss zu einer Gewohnheit und nicht als Antwort auf Durst verstanden werden," ist Chan's Fazit. Empfehlenswert sei, zwischen den Mahlzeiten, nicht zu den Mahlzeiten zu trinken, weil dies die Funktion der Speicheldrüse schwächt. (ANN)

MEIST ÜBERSETZTES BUCH DER WELT
Die ganze Bibel oder zumindest einzelne Bücher daraus sind seit Beginn des Jahres in 2.355 Sprachen übersetzt - so der Weltbund der Bibelgesellschaften in Reading (England). Damit bleibt die Bibel das am häufigsten übersetzte Buch aller Zeiten. Die Zahl der Übersetzungen erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um insgesamt 52. Die gesamte Bibel liegt nun in 414 Sprachen vor, das Neue Testament in 1.068 Sprachen. Weltweit existieren schätzungsweise 6.500 lebende Sprachen. (APD)

GRAPEFRUIT UND CHOLESTERIN
An der Universität von Florida (USA) wurde ein interessantes Experiment mit Versuchstieren durchgeführt: Ein Jahr lang wurde den Tieren eine Kost mit einem hohen Anteil an Fetten mit gesättigten Fettsäuren verabreicht, die bei ihnen Arteriosklerose verursachte. Ab diesem Zeitpunkt wurde einem Teil der Tiere jeden Tag Pektin aus Grapefruits gefüttert. Neun Monate später litten nur 24 Prozent der Tiere, die Pektin bekommen hatten, unter einer Arterienverengung. Von den Tieren, die kein Pektin erhalten hatten, waren es dagegen 45 Prozent. Andere Erfahrungen zeigten, dass die Einnahme von Pektin aus Grapefruits bereits innerhalb von vier Wochen den LDL-Cholesterinspiegel (schädliches Cholesterin) um 10,8 Prozent senken kann. (LuG)

ERFOLGREICHE BIBEL-FERNKURSE
9.466 Personen haben sich im Jahr 2003 für ein Bibelfernstudium des INTERNATIONALEN-BIBELSTUDIEN-INSTITUTS (Darmstadt) angemeldet. Die kostenlosen Fernkurse sind dazu gedacht, eine Einführung in die Bibel zu vermitteln und praktische Impulse für ein sinnerfülltes Leben zu geben. Es gibt darunter auch einen Gesundheitskurs und zwei Kurse für Jugendliche und Kinder. Weitere Informationen beim INTERNATIONALEN-BIBELSTUDIEN-INSTITUT, Am Elfendgrund 66, D-64297 Darmstadt; Postfach 66, A-1094 Wien; Postfach 6738, CH-8050 Zürich und auch im Internet: www.stimme-der-hoffnung.de/ibsi.html.


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Scheidung o. k., schwarzfahren nicht!
Werte sind den Deutschen wichtig - aber nicht alle

Manchmal ist es eine Handbewegung, die sich dauerhaft in das Gedächtnis einprägt und einen Menschen zum Liebling oder Bösewicht werden lässt. Bei Josef Ackermann, dem Vorstandssprecher der Deutschen Bank war es so. Wegen möglicher Beihilfe zur Untreue im Zuge seiner Mitwirkung an der Fusion der Telekommunikationskonzerne Vodafone und Mannesmann angeklagt, formte er mit den Fingern im Düsseldorfer Gerichtssaal voller Siegeszuversicht das Victory-Zeichen. Eine kleine Geste nur, allerdings direkt in die Kameras der Pressefotografen hinein. Sie rief eine Welle der Empörung in den Medien und beim Volk hervor. Man war sich einig: Die Arroganz der Macht zeige sich bei ihm so deutlich wie selten bei jemandem zuvor.
Immerhin entschuldigte sich Josef Ackermann kurz darauf für seinen unbedachten Fingerzeig, nicht jedoch für seinen aufschlussreichen Satz, den er zuvor in der Verhandlung gesagt hatte: "Deutschland ist das einzige Land, in dem Menschen, die Werte geschaffen haben, vor Gericht stehen." Welche Werte er meinte, war klar: steigende Aktienkurse und Unternehmensgewinne, also Geldwerte. Doch das Volk und die Journalisten erwarten offenkundig von den Spitzenkräften aus Wirtschaft und Politik, dass sie ihr Handeln auch an anderen, nicht-materiellen Werten ausrichten. Im Falle Ackermanns beispielsweise an dem Wert "Gerechtigkeit" und an den Tugenden "Augenmaß" und "Bescheidenheit".

PRIVATES GLÜCK AM WICHTIGSTEN
Wertmaßstäbe sind anscheinend nicht "out", sondern werden zuweilen recht gerne angelegt, zumindest an andere Menschen. Doch welche Werte sind den Menschen in Deutschland so wichtig, dass sie ihr eigenes Handeln daran orientieren?
Hier zeigt sich nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Allensbach aus dem Jahr 2002 (Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur KNA vom 8.3.2002), dass für die Deutschen das Suchen nach privatem Glück und das Genießen des Lebens oberste Priorität haben. Der Allensbach-Umfrage zufolge erklärten 68 Prozent der West- und 65 Prozent der Ostdeutschen, für sie sei es am allerwichtigsten, glücklich zu sein und viele Freunde zu haben.
An zweiter Stelle (55 Prozent Zustimmung der Westdeutschen bzw. 52 Prozent Zustimmung der Ostdeutschen) steht als Lebensziel "das Leben genießen". An dritter Stelle folgt laut Umfrage die Antwort "die Welt kennen zu lernen" (47 Prozent Zustimmung West, 43 Prozent Ost). 32 Prozent der Befragten in den neuen und 42 Prozent in den alten Bundesländern wollen "mithelfen, eine bessere Gesellschaft zu schaffen". Für das Lebensziel "für andere da sein" sprachen sich 19 Prozent der West- und 26 Prozent der Ostdeutschen aus.

HAB UND GUT BLEIBEN UNANTASTBAR
Individualismus - so lässt sich der zentrale Wert der Deutschen beschreiben, und in Österreich und der Schweiz wird es kaum anders sein. Aber nicht nur das private Wohlergehen steht im Mittelpunkt des Interesses: Was richtig und falsch ist, legt zunehmend jeder für sich selbst fest.
Dies spiegelt sich auch in veränderten Einstellungen zu moralischen Normen wider, die in einer länderübergreifenden Langzeitstudie ermittelt wurden (Institut für angewandte Sozialforschung, Köln: "European Value Study" 1981, 1990, 1999). Ihr lagen zahlreiche Umfragen in mehreren europäischen Ländern zwischen 1978 und 1999 zu Grunde. Hier lautet der Trend: Sexualmoral und familiäre Normen haben sich gelockert; Moralvorstellungen, die sich auf Besitz, Eigentum oder die staatsbürgerlichen Pflichten beziehen, blieben weitgehend unverändert. So wird von der Mehrheit der Europäer Homosexualität, Abtreibung, Scheidung aber auch Sterbehilfe als unter Umständen erlaubt angesehen. Geht es jedoch um Steuerhinterziehung, Schwarzfahren, eine Spritztour im gestohlenen Auto oder um die Bestechung von Beamten, so hält eine Mehrheit der Befragten dies nach wie vor für absolut unzulässig.
Pech also für Josef Ackermann: Verhaltensweisen wie solche, die dem Bankchef zur Last gelegt werden (Veruntreuung von Eigentum, Arroganz), werden trotz zunehmendem Werteverfall nicht toleriert. Hätte er dagegen seine Ehefrau betrogen, wäre das wohl kaum eine Notiz wert gewesen …

Thomas Lobitz


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Vom Wert der Werte

"Ich stand vor der Entscheidung, das Familienporzellan mitzunehmen oder einen Koffer voller Familienfotos", so erzählt die über 90-jährige Ilse Richard von ihrer Flucht mit drei Kindern aus einem Land, in dem sie nicht mehr geduldet war. Was ist wertvoller: das Porzellan oder die Fotos?
Oskar Schindler - so zeigt es Steven Spielberg in seinem bewegenden Film "Schindlers Liste" - kam in seinem Leben an einen Punkt, an dem er entscheiden musste, ob ihm der wirtschaftliche Gewinn seiner Emaillenfirma oder die Rettung des Lebens von Juden vor der Ermordung durch die Nazis wichtiger war.

WAS IST WERTVOLLER?
Nicht nur in den (seltenen) dramatischen Lebenssituationen, sondern auch im normalen Leben stehen wir fast täglich vor der Frage, was "wertvoller" ist: einen anstehenden Termin pünktlich wahrzunehmen oder weiter den Sorgen unseres Gesprächspartners zuzuhören? Geld vom Einkommen anzusparen oder zu spenden, persönlich vorzusorgen oder anderen Versorgung zu ermöglichen? Höflich oder ehrlich zu sein? Streng oder nachsichtig? Sich anzupassen oder zu widersprechen? Rücksicht zu nehmen oder sich durchzusetzen? Weiter zu arbeiten oder zu entspannen? Das ist oft schwer zu entscheiden! Gerne suchen wir den Kompromiss, aber es gibt Situationen, in denen nur das eine oder das andere möglich ist, nicht beides zugleich. Das gilt auch für längerfristige Lebensplanungen: Militärdienst oder Zivildienst? Mutter und Hausfrau sein oder beruflich Karriere machen? Familienleben oder Singledasein?
Auf der politischen Bühne werden ebenfalls Werte gegeneinander abgewogen, wenn diskutiert wird: Freiheit oder Gleichheit? Soziale Gerechtigkeit oder individuelle Entfaltungsmöglichkeit? Reformieren oder bewahren? Sparen oder neue Schulden machen?
Es lässt sich behaupten, dass jede Entscheidung, die wir im Kleinen oder Großen treffen, eine Abwägung von Werten und Gütern ist. Jeder stellt sich dabei die Frage: Auf welchen Wert kommt es hier in dieser Situation an? Nicht selten steht man vor dem Dilemma, von zwei gleichwertigen Sachverhalten den einen nicht verwirklichen zu können. Manchmal erkennen wir im Nachhinein auch, dass wir auf die falschen Werte gesetzt haben, das weniger Wichtige dem Wichtigeren, dem moralisch Besseren, vorgezogen haben.

DIE SACHE IST KOMPLIZIERT
Wenn in der westlichen Kultur von "Werten" die Rede ist, sind vor allem "Grundwerte" gemeint, die allen anderen Gütern übergeordnet sind, wie z. B. Wahrung der Menschenwürde, Friedensliebe, Erhaltung der Umwelt, Gerechtigkeit, Wahrheit, Freiheit, Achtung vor der Überzeugung anderer, Menschlichkeit, Solidarität. Wer wollte diesen nicht zustimmen und bezweifeln, dass sie grundlegende Orientierung verschaffen und dass es moralisch exzellent ist, die persönliche Lebensführung von diesen Werten bestimmen zu lassen?
Die Sache mit den Werten ist aber weitaus komplizierter. Denn nicht nur Grundwerte, sondern viele andere Güter prägen unser moralisches Entscheiden. Und diese sind oft mächtiger als die so genannten Grundwerte, weil sie uns näher sind.
Wir erkennen diese andere Wertigkeit daran, dass sie emotional fest in unserem Herzen verankert ist. Jeder Mensch entwickelt seine ganz individuelle Wertesphäre, die von sehr unterschiedlichen Gütern oder Tugenden geprägt sein kann:

  • Streben nach persönlichem Erfolg, nach Reichtum, nach Gesundheit, nach Anerkennung, nach Wissen.
  • Sorge für die engsten Angehörigen, für die Familie, für die Kinder.
  • Pünktlichkeit, Ordnung, Sauberkeit, Pflichtbewusstsein, Sparsamkeit.
  • Oder: Mitsprache, Selbständigkeit, Großzügigkeit, Lebensgenuss.

Güter, die unserer Selbsterhaltung und dem persönlichen Fortkommen dienen, liegen uns in der Regel mehr am Herzen als die universalen Grundwerte.

VOM LEBEMANN ZUM LEBENSRETTER
Wir bewundern Menschen, deren Lebensführung bis in das alltägliche Leben hinein von den "großen" Werten geprägt ist. In besonders ergreifender Weise wird die Wandlung eines Lebemanns zu einem Lebensretter im Film "Schindlers Liste" gezeigt. Oskar Schindler lernen wir zunächst als einen schick gekleideten, partytauglichen und lustorientierten Unternehmer kennen, der es liebt, sich selbst als erfolgreichen Geschäftsmann zu präsentieren. Mit Sorgfalt steckt er sich seine SS-Nadel ans Revier seines maßgeschneiderten Anzugs. Im besetzten Polen sieht er die Chance, mit Zwangsarbeitern ein florierendes Unternehmen aufzubauen.
Er nimmt Kontakte zu den Juden im Ghetto auf, um seine Geschäftsidee zu verwirklichen. Er verachtet sie nicht, noch achtet er sie; sie sind für ihn nicht mehr als nützliche Arbeitskräfte. Menschliche Nähe, Wertschätzung und Solidarität lässt er nicht an sich herankommen.
Als er von ferne beobachtet, wie das Ghetto auf brutalste Weise und in einem wahren Mordrausch "gesäubert" wird (in einer Nacht werden etwa 10.000 Juden erschossen), und dann Zeuge der barbarischen Verhaltensweisen gegenüber Juden im Zwangslager wird, wandelt sich das Wertgefüge in seinem Herzen. Nun will er nicht mehr Profit machen, sondern Menschen vor dem Tod retten. Seinen gesamten Gewinn investiert er in die Bewahrung von Juden vor dem Tod im Vernichtungslager. Dafür täuscht, besticht und betrügt er hohe Entscheidungsträger in der SS. Am Kriegsende ist er pleite, aber etwa 1100 Frauen, Männer und Kinder sind gerettet. Heute leben über 6.000 Nachkommen der sogenannten "Schindler-Juden".

DEN "TIEFEN" WERTEN RAUM GEBEN
Ein rabbinisches Sprichwort sagt: "Hast du ein Menschenleben gerettet, hast du die ganze Welt gerettet." In dieser Lebensweisheit sind mehrere "tiefe" Werte verankert: der Wert der großartigen Schöpfung Gottes und des von Gott geschenkten Lebens, der Wert menschlichen Lebens und der Wert tugendhaften Handelns, das andere Menschen vor Tod oder Entmenschlichung bewahrt, ihnen Respekt und unbedingte Wertschätzung entgegenbringt.
Man muss nicht religiös sein, um in seinem Leben den "tiefen" Werten Raum zu geben. Aber der Glaube kann in besonderer Weise dazu motivieren, die "tiefen" Werte ins persönliche Wertgefüge hineinzunehmen.
Die Bibel bezeugt ein intensives Ringen um die Frage nach der Gewichtung von Werten. Das Ergebnis lautet: "Gott ist die Liebe" (1. Johannesbrief 4,16) und "die Liebe hört niemals auf" (1. Korintherbrief 13,8). Die Liebe, von der diese beiden Texte sprechen, schließt Barmherzigkeit, Solidarität, Mitgefühl, Achtung und Wertschätzung ein. Diese "Agape" (so das griechische Wort, das der Übersetzung "Liebe" zugrunde liegt) ist der höchste Wert.
Die besondere Pointe christlichen Glaubens ist dabei der Zuspruch, dass Gott diese Liebe nicht von uns einfordert, sondern uns damit beschenkt. Im Glauben wissen sich Christen mit Jesus verbunden. Jesus schenkt jedem Glaubenden die Gewissheit, geachtet und wertgeschätzt, als Gottes Kind geliebt zu sein.
Erfüllt mit diesem Zuspruch sind Christen motiviert, das selbst erfahrene Mitgefühl Gottes weiterzugeben, das Leben mit Liebe zu füllen. Jeden Tag, in jeder Güterabwägung. Das gelingt nicht immer, auch Christen entscheiden sich für die moralisch wertloseren Güter. Aber das entmutigt sie nicht, immer wieder neu anzufangen damit, ein Leben aus der Liebe zu führen.

Christian Noack

PS: Es war übrigens auch die Liebe, die Ilse Richard dazu bewog, die Familienfotos mitzunehmen und nicht das Porzellan.


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Freiheit hat Grenzen

Dr. Christa Meves. Millionen Leser nehmen ihren Rat in Anspruch: Es gibt kaum eine deutsche Taschenbuch-Autorin, die soviel Interesse findet, und das seit mehr als 30 Jahren. Die Jugendpsychotherapeutin aus Uelzen stützt sich auf ihre Erfahrungen und auf den Mut, diese Erfahrungen auch auszusprechen und weiterzugeben.

Zeichen der Zeit: Wer bestimmt heute die Werte, die in unserer Gesellschaft gelten?
Christa Meves: Sie werden bestimmt durch die Diktatur der Medien, vor allem durchs Fernsehen. Hier wird die sogenannte neue Moral gepredigt: "Tu, was dir beliebt, tu, was für dich richtig ist. Und was für dich richtig ist, das ist dein Credo." Das ist Hochmut, denn es gibt in unserem Leben zu viele Fallen. Wir brauchen uns nur die Menge der schwer gestörten Menschen anzuschauen. Wir sind eine Suchtgesellschaft geworden: Der Mensch, gerät leicht in die Gefahr, den Antrieb, der bei ihm am Schwächsten ist, zu verabsolutieren. Fress- oder Trunksucht sind Beispiele dafür. Immer wenn man einen Antrieb verabsolutiert, der an und für sich ein natürlicher Lebenstrieb ist, nimmt er den Menschen gefangen, so dass es zur Sucht kommt.

ZdZ: Unserer Gesellschaft sind wichtige Werte verloren gegangen. Wie kann man zu ihnen zurückfinden?
Meves: Man kann immer nur hoffen, dass diese wüste Gesellschaft als erstes durch die Erfahrung klug wird. Eine wesentliche Besserung kann nur vom Volk ausgehen, wenn das Maß des Negativen zu hoch gestiegen ist. Denn hinter unser properen Fassade ist die seelische Not so riesengroß. Daraus kann der radikale Impuls entstehen, es anders - und zwar ganz neu - machen zu wollen.

ZdZ: Wie können wir heute unseren Kindern Werte vermitteln? Wie kann das praktisch aussehen?
Meves: Immer durch das Vorbild. Es geht letztlich alles nur über das Vorbild. Wir Erwachsenen müssen überzeugt und überzeugend sein. Überzeugend darin, wie wir zur Wahrheit stehen. Dadurch, dass wir nicht auf "kleine" Lügen zurückgreifen. Dadurch, dass wir Achtung voreinander haben. Das sind wichtige Voraussetzungen für die Vermittlung von Werten durch die Familie. Wenn Kinder erleben, dass der Vater die Mutter achtet und umgekehrt. Das ist eins der besten Erziehungsmittel, natürlich auch eins der schwierigsten.

ZdZ: Wenn Kinder diese Werte zu Hause positiv erleben, werden ihnen aber in den Medien und durch die Medien ganz andere Werte vermittelt. Heißt das, wir müssen die Kinder vor dem Einfluss der Medien schützen?
Meves: Ja, zum Teil schon. Es ist außerordentlich sinnvoll, wenn der Fernseher nicht im Mittelpunkt der Familie steht, nicht da, wo alle sich versammeln, sonst erstirbt das Gespräch bei Tisch, und man verlernt, wie man miteinander umgeht, wie man teilt und sich mitteilt. Es kann nicht sein, dass wir die Kinder einfach allem wahllos ausliefern, was ihnen das Fernsehen anbietet.

ZdZ: Welche drei Werte würden Sie unserer deutschen Gesellschaft am meisten wünschen? Wo sagen Sie "diese Werte sind verloren gegangen, die brauchen wir"? Würden Sie sich auf drei festlegen mögen?
Meves: Liebe zu Gott als erstes, Liebe für den Nächsten und Hochachtung vor den Menschen, die uns fremd sind.

ZdZ: Welche Werte - außer der Liebe, die Sie bereits erwähnt haben - können Christen der Gesellschaft besonders mitteilen? Wo sollten sie ihren Einfluss am meisten geltend machen?
Meves: Aus meiner Sicht betrachtet und aufgrund der Erfahrungen in meiner Arbeit halte ich es für das Wichtigste, dass wir den Menschen neu vermitteln: Der Mensch hat die von Gott gegebene Vorgaben zu beachten. Gott hat den Menschen Freiheit geschenkt, aber diese Freiheit hat Grenzen. Wir müssen vom Hochmut zur Demut zurückfinden. Demut ist uns angemessen, nicht Hochmut. Insofern ist es notwendig, dass die Menschen eine neue Sensibilität dafür entwickeln, die vom selbstkritischen Eingeständnis der eigenen Schwäche her kommt. Diese Basis ist geeignet, dass eine persönliche Beziehung zu Gott entstehen kann. Nur so kann einer ausgearteten Freiheit, die zur Maßlosigkeit führt, entgegen gewirkt werden.

Das Interview mit Christa Meves führte Sandra Wieschollek in Uelzen.


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Weil ich es IHM wert bin

Max ist grau geworden. War er früher nicht blond? Kein Wunder: Max ist mehr als fünfzig Jahre alt und ich kenne ihn mein ganzes Leben lang. Inzwischen ist Max im Ruhestand. Tagein tagaus sitzt er am Fenster und kann seine weniger turbulenten Tage genießen. Er trägt - wie immer - einen leuchtend gelben Overall, den ich ihm vor vielen Jahren mit Mühe eigenhändig gestrickt hatte, damit die ramponierten Nähte und das abgewetzte Fell nicht mehr zu sehen waren. Aber seine braunen Knopfaugen begeistern noch heute jedes Kind, das zu mir in die Wohnung kommt.
Max ist mein alter Teddybär. Bevor ich ihn bekam, gehörte er meiner älteren Cousine, und er hat mich seitdem auf allen Stationen meines Lebens begleitet. Max schlief früher in meinem Bett, stand alle meine Kinderkrankheiten mit mir durch, hörte sich meine Wünsche an, saugte meine Kindertränen auf. Max hat eine von mir gebastelte Identitätskarte, er hat einen Geburtstag, er war bei den Urlaubsreisen stets dabei. Später saß er neben mir am Schreibtisch, wenn ich Vokabeln lernte, ich hielt vor ihm meine ersten Referate, er war mit mir ein Jahr im Ausland. Max ist ein fester Faktor meines Lebens - und so lächerlich es auch klingen mag: Ich hänge an diesem unhandlichen, steifen, kratzigen Bären, diesem abgewetzten Stück Fell, das einen Warenwert von etwa drei Euro haben mag.

WAS MACHT DEN WERT DES LEBENS AUS?
Was macht diesen "Wert" aus, der mich daran hindert, Max einfach weiter zu verschenken? Was macht den Wert eines Lebens überhaupt aus? Ist das Leben eines Entwicklungshelfers vielleicht deshalb wertvoll, weil er eine große akademische Karriere sausen lässt, weil er an einer Traumvilla nicht interessiert ist, und statt dessen in den Busch geht, um sich mit den Anliegen der Eingeborenen zu beschäftigen? Oder ist vielleicht das Leben eines Erfolgsunternehmers noch ein wenig wertvoller, weil er echte Werte besitzt, einen schicken Sportwagen fährt und sich einen mosaikausgelegten Swimmingpool leisten kann?
Kommt es darauf an, dass man einen Dienst tut, sich aufopfert und selbst völlig dahinter verschwindet? Oder kommt es auf das Ansehen an, die Karriere, den Erfolg, das Prestige, auf die "Kohle", die man scheffelt? Und wer bestimmt hier die Wertmaßstäbe? Wer setzt es fest, was wertvoll ist und was nicht?
Wenn ein Mensch so fragt, dann hat er verschlüsselt die Frage nach dem Ende aller Dinge gestellt, nach dem Ziel, auf das er zulebt. Letztendlich fragt er damit eigentlich auch nach dem ewigen Leben. Diese Frage nach Sinn, Wert und Ziel ist eine Frage, um die kein Erdenbürger sein Leben lang herumkommt, auch wenn er sie zeitweise zu überhören meint. Irgendwann trifft jeder Mensch darauf, und dann wird klar, wie lange er ziellos "herumgelebt" hat, mit welchen Trivialitäten er sein einziges Leben bisher vertrödelt hat.

TRÖSTLICH UND WERTVOLL
In der Bibel wird von einem reichen jungen Mann berichtet, der Jesus fragt, was er tun kann, um das ewige Leben zu bekommen (Markus 10,17ff.). Jesus gibt ihm einen Rat, doch bevor der junge Mann frustriert weggeht, steht da noch folgender inhaltsschwerer Satz: "Jesus sah ihn voller Liebe an." (V. 21)
Für mich ist dies der tröstlichste und wertvollste Satz im ganzen Neuen Testament. Das heißt doch: Jesus liebt mich nicht erst, wenn ich alles richtig mache, wenn ich vollkommen und fit bin, wenn ich meinen Wert unter Beweis gestellt habe. Längst ehe es soweit ist mit mir, und sogar auch dann, wenn ich nie ganz dahin komme - ich bin schon geliebt. So wie ich bin, mit meiner Wankelmütigkeit, meinem Egoismus, meinem Geiz. Ich bin wertvoll, weil Jesus mich mein Leben lang kennt und ich zu ihm gehöre.
Ein wenig so, wie es mir mit Max geht. Mit ihm habe ich eine Menge erlebt. Und wenn ich ihn ansehe, werden viele Erinnerungen wach und mir wird ganz warm ums Herz. Und das, obwohl von Max selbst ja nie etwas kam. - Auch mich blickt Jesus voller Liebe an. Ich bin in seiner Obhut. Und es gibt keinen Ort, den diese Liebe nicht erreichen könnte und meinem Leben Wert verleiht. Weil ich es IHM wert bin.

Beate Strobel


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Die Zehn Gebote:
Angebote für ein Leben mit Profil

Gemeinsames Leben gibt es nur mit gemeinsamen Werten. Je unterschiedlicher unsere Wertvorstellungen sind, desto schwieriger wird das Zusammenleben. Das gilt für alle Formen von Gemeinschaft: Ehe und Familie, Kirche und Gesellschaft.
Weniger als je zuvor verläuft unser Leben in vorgegebenen Bahnen. Wir wollen unser Leben nach unseren eigenen Vorstellungen gestalten, schließlich machen das die Anderen genauso. Wie viel Gemeinsamkeit gibt es noch? Ist der gemeinsame Nenner groß genug? Landauf, landab wird fehlender Gemeinsinn beklagt. Jeder setzt sich nur für das ein, was ihm in den Kram passt. Kann es da überhaupt so etwas wie einen gemeinsamen "Wertekanon" geben, der bei allen Beteiligten weitgehende Zustimmung findet?
Das scheint mir nur möglich zu sein, wenn diese Werte nicht lediglich unseren eigenen Vorlieben oder denen unserer Mitmenschen entspringen, sondern von "höherer Warte" aus formuliert werden. Anders ausgedrückt: Absolute Gültigkeit können nur die Werte haben, die von einem Absoluten her kommen - also von Gott.
Dies ist der Anspruch der Zehn Gebote. Konrad Adenauer soll zu ihnen einmal bemerkt haben: "Die Zehn Gebote sind deshalb so klar und eindeutig, weil sie nicht erst auf einer Konferenz beschlossen wurden."

Michael Mainka
"AnGebote für ein Leben mit Profil", 112 Seiten, Pb., 6,50 EUR/12,80 sFr, Advent-Verlag, ISBN 3-8150-1874-9. Mehr.

Auszug aus dem 1. Kapitel:

Schlüsselerlebnisse und Weltbild

Unsere Sicht des Lebens und der Welt wird von Schlüsselerlebnissen geprägt. Für meine Frau und mich zählt dazu vor allem die Geburt unserer beiden Kinder. Plötzlich hatten wir ein kleines Bündel Leben im Arm. Stundenlang haben wir dieses Wunder bestaunt und dabei empfunden, wie unbegreiflich schön das Leben ist.
Wir kennen aber auch traumatische Schlüsselerlebnisse. Mein Schwiegervater erkrankte an einem Gehirntumor und starb, als meine Frau gerade zehn Jahre alt war. Auch diese Erfahrung hat sich in ihre Seele eingegraben.
Unsere Meinung über Gott hängt ebenfalls mit solchen Schlüsselerlebnissen zusammen. Nicht ohne Grund lautet das häufigste Argument gegen die Existenz Gottes: Wenn es ihn gäbe, würde er nicht so viel Leid zulassen.
Hinzu kommen unsere Erfahrungen mit Kirche und Religion. In einem Gesprächskreis erzählte mir eine junge Mutter von der ersten Begegnung ihres Kindes mit einem Pfarrer bei dessen Besuch im Kindergarten. Zu Hause kommentierte ihr Sohn dieses Auftreten mit den Worten: "Der war aber ernst!"
Mancher entwickelt aufgrund solcher Erlebnisse schon früh eine Abneigung gegen alles, was mit Religion und Kirche zu tun hat. Andere haben kaum Berührung damit und empfinden alles, was dazu gehört, als ungewohnt und fremd. Wer hingegen die Sache mit Gott als wohltuend und befreiend kennen lernt, wird anders darüber denken.


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Er kennt mich!

Jeder Mensch besitzt einen, egal, ob reich oder arm, viele haben sogar zwei oder drei … Namen!
Der Name gehört immer zur Person. Es ist eine Möglichkeit, einander zu unterscheiden. Es gibt allerdings Personen, die es durch ihren Namen schwer haben. Im Telefonbuch habe ich Nachnamen gefunden wie Athen, Gutenmorgen oder Knoblauch. Ich kenne eine Dozentin, die heißt Meta Lange, und eine Beamtin, die vor ihrer Heirat Pingel hieß - nicht gerade sehr vorteilhaft! Außer Vor- und Nachnamen gibt es auch Spitznamen, Spottnamen und Kosenamen.
Indianer erhielten Namen nach ihrem Verhalten oder Äußeren. Änderte sich dieses, änderte sich damit auch der Name. Das kennt auch die Bibel. Sie berichtet darüber, dass Gott manchmal Namen von Personen änderte (Jakob, "Betrüger", wurde zu Israel, "Sieger", Saulus zum Paulus).
Auf unserem Planeten Erde gibt es zurzeit fast acht Milliarden Menschen. Um so erstaunlicher ist es, dass Gott bei so vielen Milliarden Namen jeden Menschen persönlich kennt. Zum Propheten Jesaja sagte er: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du gehörst zu mir!" (Jesaja 43,1) Ich denke darüber nach, was diese Aussage mir persönlich bedeutet: Da ist ein Gott, der den Überblick behält, den Einzelnen - also mich - nicht übersieht oder vergisst. Auch zu mir sagt er: Ich kenne deinen Namen, du bist von mir als Schöpfer gewollt, ich weiß alles über dich.
Ein anderes Mal sagt er einer Gruppe von Menschen: "Ich weiß, wo ihr wohnt" (Offenbarung 2,13) und meint damit nicht allein den Wohnort, die Adresse, sondern auch die Umstände, die Freuden und Sorgen, die Herausforderungen, denen diese Menschen täglich ausgesetzt sind. Es bleibt aber nicht allein dabei, dass er über mich Bescheid weiß, sondern er begleitet mich und steht mir zur Seite.
Das macht mir Mut. Ich bin kein Massenprodukt in Gottes Augen. Ich bin ich: Sandrine Nadja Götzinger, und Gott kennt mich. Er weiß, wie man meinen Vornamen schreibt. An das E brauche ich ihn nie erinnern. Er weiß, wo ich wohne, mit welchen Menschen ich täglich zu tun habe. Er kennt meine Sorgen, meine Träume, meine Pläne, meine Vergangenheit und auch die Zukunft, die mich erwartet. Und er liebt mich - obwohl er mich so gut kennt bzw. weil er mich so gut kennt und weiß, wie dringend ich auf seine liebevolle Zuwendung angewiesen bin.
Nun möchte ich diesen Gott näher kennen lernen, der mich so gut kennt; und ich erhoffe mir dadurch eine persönliche Beziehung zu einem persönlichen Gott. Weil er den Anfang gemacht, die Initiative ergriffen hat, als er auch mich bei meinem Namen rief, weiß ich: diese Beziehung wird gelingen!

Sandrine Götzinger


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Jesus von Nazareth: Wer war er wirklich?

Das Interesse der Medien an der Person Jesus von Nazareth ist unübersehbar. Magazine - wie GEO, 1/2004 - widmen sich seitenweise diesem Thema. Filmdokumentationen befassen sich mit der Zeit, in der er lebte. Zahlreiche Buchneuerscheinungen versuchen, die Fragen im Zusammenhang mit dem Leben und dem Anspruch dieses Menschen zu beantworten, der von sich behauptete, Sohn Gottes zu sein: Allein über den Internet-Buchhändler AMAZON sind 1.735 Bücher über Jesus in deutscher Sprache zu beziehen.
Eine Fülle an Fakten, Kommentaren und Angeboten rund um die Person Jesus Christus sind weltweit auf Tastendruck im Internet zugänglich (allein in deutscher Sprache listet die Suchmaschine Google etwa 370.000 Einträge auf): Die Palette reicht von wissenschaftlichen Arbeiten über Serviceleistungen und seelsorgerischem Angebot bis hin zu Kuriosem und Trivialem (Jesus als Bildschirmschoner zum Beispiel). Eine Webseite beschäftigt sich mit der bildlichen Darstellung von Jesus und stellt über 500 Bilder virtuell aus.
Jesus hat immer wieder Filmemacher und Medienschaffende zur Auseinandersetzung mit seiner Person und seiner Botschaft gereizt. Das aktuellste Beispiel - der Film "Die Passion Christi" des Hollywood-Schauspielers und Regisseurs Mel Gibson - ruft sowohl Begeisterung als auch Entsetzen hervor. Begeisterung beispielsweise darüber, dass sich so viele Menschen mit dem Ereignis beschäftigen, das für Christen zentrale Bedeutung hat, nämlich der Kreuzigung Jesu. Entsetzen bewirken die schonungslose Brutalität und Grausamkeit des Filmes, verbunden mit der Sorge, das Unvorstellbare (das Leiden des Sohnes Gottes unter der Last der Schuld der ganzen Menschheit) werde hollywoodmäßig als Unterhaltung vermarktet.
Die beste "Dokumentation" über das Leben und Wirken, die Worte und die Taten des Jesus von Nazareth liefern nach wie vor die Berichte der Menschen, die ihm zugeschaut und zugehört, ihn begleitet und mit ihm gelebt haben. Nachzulesen sind sie in der Bibel, und zwar in den Büchern, die Matthäus, Markus, Lukas und Johannes geschrieben haben. Im Vergleich zu Filmen und Romanen spürt man dieser "Biographie aus vier unterschiedlichen Blickwinkeln" neben der persönlichen Betroffenheit der Berichtenden auch eine wohltuende Sachlichkeit und Nüchternheit: nichts wird verschwiegen, nichts wird ausgeschmückt.
Wer sich mit dieser "Dokumentation" unvoreingenommen befasst, spürt in der Regel das, was die damaligen Nachfolger von Jesus auch erlebten: den Wunsch und die Bereitschaft, das auszuprobieren, was Jesus Christus gelehrt und gelebt hat. Und was Millionen von Menschen seit der Zeitenwende und bis in unsere Zeit hinein verändert, froh gemacht und zum Einsatz für Gott und ihre Mitmenschen motiviert und befähigt hat.

André Liebig

 
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